Bubraum #23: Green, Green Grass of Home

TAGE DES DONNERS. Der Benc im Bubraum. Richtig, Benc nicht mit z, mit c. Unser Gastautor ist nämlich der Christian „Benc“ Brieber, legendärer Webmasta der mittelburgenländischen Plattform „Cyberkrowodn.at“ und der nicht minder bemerkenswerten Rockband Stara Škola. Er testet für uns einen Rasentraktor. Und eine Motorsense. Und demütigt den Nachbarn, den Mundl. Brate!

Von Christian „Benc“ Brieber

Ist schon ein Zeitl her, daß ich Gastkommentare für Onlinemagazine geschrieben habe. Aber als der Leo gemeint hat, ich soll für Bubraum was machen, war ich sofort Feuer und Flamme.

Ich bezeichne mich ja selbst gerne als Autofreak, wenngleich mein Geldbörserl es zur Zeit nicht erlaubt meinen Fetisch so auszuleben, wie ich es gerne täte. Als Adjutant meines Exchefs (ein überaus egozentrischer steinrei….was schreibe ich, ein scheissreicher Kerl), war ich bis vor 7 Jahren noch einer der wenigen, der sich seinen Porsches, Bentleys und anderen Geschoßen überhaupt nähern und damit fahren durfte.

Heute ist es ein wenig ruhiger bezügl. Mörderautos bei mir geworden.
Man wird älter…sagen zumindest die, die ihre Pubertät längst hinter sich gebracht haben und nun stolz ihren erbsenspeibgrünen 85 PS Opel Corsa im Vorgarten auf Hochglanz polieren.

Bevor ich mir allerdings so ein Kretinl mit Magermotor kaufe, schreibe ich lieber einen Testbericht über Rasenmäher … Eigentlich über einen Rasenmäher-Traktor . und eine Motorsense kommt auch vor!
Fakt ist: Die Grü-Saison (Grillsaison) hat begonnen und mit ihr beginnt die lästige Zeit der Rasenpflege.

Deppert reden?

Gerade am Land ist die Bändigung des Vorgartens ein wichtiges Thema. Es könnte ja der Nachbar oder jeder der an deinem Haus vorbeifährt deppert reden.

Auch wenn noch depperter geredet wird wenn der Rasen auf Superspießer-Wimbledonqualität getrimmt ist, möchte der gemeine Provinzler eher nicht als alternativer „Ich lass mal den Dschungel vorm Haus stehen, damit alle sehen, was für ein Biofreak ich bin“-Typ dastehen. Es wird also schweres Gerät aktiviert und man bereitet sich unbewußt auf eine Competition vor. Hierbei sei allerdings anzumerken, daß der Wahnsinn der in Wiens Schrebergartensiedlungen abgeht, die Provinzspießerei bei weitem überstrahlt. Schrebergärtner sind sowieso ein eigenes Völkchen, mir fällt da immer das Prädikat „besonders hassenswert“ ein. Bis auf ein paar Ausnahmen, aber dazu müßte ich ein andermal schreiben. Eigentlich reicht es wenn man sich eine ORF Doku von der Spira über das Thema ansieht, da kann man seinen Würg-Reflex ganz gut austesten.

Was am Land viel besser funktioniert ist die ehrliche Nachbarschaftshilfe, ein Beispiel davon ist die zwischen meinem Nachbarn Jessy, meinem Bruder und mir. Jessy hat vor nicht allzulanger Zeit unglücklicherweise einen gesundheitlichen Dämpfer erhalten und ist motorisch nicht mehr ganz fit. Als das was man im Mittelburgenland „Ruachler“ nennt bekannt, sah man den Nachbarn immer irgendwas hackeln, in der Tradition meines Vaters sah auch er den Samstag als Arbeitstag an. Er war auch derjenige, der sich immer um unser Haus unter der Woche gekümmert hat, da meine Familie und ich unter der Woche als Lohnsklaven 100 Kilometer Nördlich in Wien beruflich tätig waren/sind. Bei Stromausfall und anderen Problemchen die so aus dem Nichts auftauchen können, ist ein Nachbar mit Schlüssel Gold wert.

Nun, jetzt wo er selbst Support braucht, ist es natürlich Selbstverständlich für uns ihm unter die Arme zu greifen.

Nach der Zechtour in den Garten

Jessy hat einen sehr schönen Garten, nicht all zu groß, dafür mit sehr vielen Verwinkelungen und Spielereien wie Goldfischteich, Gartenpavillon etc. Unser Garten ist eher eine unbenützte Flache, die kein Schwein irgendwie nutzt aber gepflegt werden muß.
Ok, es befinden sich ein windschiefer Apfelbaum und drei Gebüsche darauf, aber prinzipiell dient(e) dieser Garten eher dem Blase erleichtern um 5 Uhr Morgens nach einer gepflegten burgenländischen Zechtour.

Jeder Mann und Gartenbesitzer hat zwecks Markierung des eigenen Territoriums dafür eigene Stellen in Zaunnähe. Wer das Gegenteil behauptet lügt… Ist so, liebe Ladies! Auch wenn er das Gegenteil behauptet…

Für diesen Bericht wähle ich als Überschrift den Songtitel von Tom Jones „Green Grass of Home“. Mir ist nichts Besseres eingefallen, bin ja eigentlich kein großer Fan vom Tom Jones, aber der Leo besteht auf Songtitel und zum Rasenmähen passt es ja wohl. Einige der Leser werden wahrscheinlich noch ganz andere Assoziationen bei diesem Titel haben, aber eingraucht Rasenmähen stelle ich mir nicht so prickelnd vor… zumindest habe ich es noch nie probiert ;-). Wie? Achso…. Sie , lieber Bubraum-Leser, haben jetzt natürlich die „Frauen werfen ihre Höschen auf die Bühne des „Tigers“-Assoziation gehabt (Sie verzeihen mir meinen Grinser….).

Sehen und sehen lassen, mähen und gemäht werden

Lange Rede kurzer Sinn: Die Gerätschaften die „ausgewintert“ wurden können sich in der Szene durchaus sehen lassen …

Da wäre einmal eine Motorsense von Stihl der mittleren Klasse mit 29 ccm und ein Rasenmähertraktor Namens Castelgarden XG 135 mit 6,6KW bei 2600 U/Min. Dieser Rasenmähertraktor mit dem eigentümlichen Namen ist nichts anderes als ein Teil mit einem Motor von HONDA und der hat 390 ccm, 1 Zylinder und 13 PS.

Unterpullendorf, zittere!

Doch zunächst geht es zur Vorbereitung der schwer zugänglichen Stellen mit der Motorsense und der daraus resultierenden Lärmbelästigung der kompletten Sportplatzstrasse in Unterpullendorf/Dolnja Pulja. Eigentlich eine recht einfache Geschichte mit dem Tragegurt und dem Teil mit kaum Gewicht. Aber Vorsicht: Das Teil hat trotz Nylonschnur –Aufsatz (das lustige Schnürl, das alle drei Minuten zu wechseln ist, weil es sich sehr schnell abnützt wenn man da an Betonsockeln oder Bäumen anstreift) einen Wumms, das einem mitunter schon mal Kieselsteinchen, Ästchen oder Blindschleichenteile um die Ohren fliegen. Daher empfiehlt es sich immer einen Schutzhelm mit Visier zu tragen.

Gesagt, getan, die Randkosmetik ist erledigt, zum Teil wurden einige Rosenstöcke bzw. andere wichtige Pflanzen mitgetrimmt, aber halb so wild, das kommt eh wieder nach….

Zumindest habe ich die Nachbarschaft wie schon oben erwähnt gute 45 Minuten mit einem Geräusch konfrontiert, daß dem eines Riesenzahnarztbohrers ziemlich ähnlich ist. Kaum verstummt die Stihl, ist am geographischen Mittelpunkt des Burgenlandes über allen Wipfeln ruh`…. Zeit für einen Hopfenblütentee aus der praktischen Sonnenschutzflasche, doch kaum aufgemacht –plopp – ertönt gnadenlos und ziemlich in Mark und Bein fahrend die Husquarna-Motorsense vom neuzugezogenen Vis-a-Vis-Nachbarn.
So eine Ratte! …

Kings of Krowodei

Vor lauter Aufregung schießt mir Bierschaum durch die Nase. Wenn hier in der Gegend einer Wirbel macht dann bin ich das….oder mein Brüderlein. Das war bei uns in der Krowodei des mittleren Burgenlandes immer so und sollte auch so bleiben! Wenngleich wir beide älter geworden sind. Blöder Ignorant! Diese Wiener sind die Ärgsten…. Kaufen sich in der Pampa ein kleines Haus (zum Speckgürtelpreis!) und meinen sie können da einen auf Schrebergärtner machen … Und wir , die Eingeborenen sind dann immer die Bösen.

„Na warte, Mundl!“, schießt es mir durch den Kopf, „das schreit nach einer adequaten Reaktion!“…. und jetzt kommt der Untertitel „TAGE DES DONNERS“ ins Spiel, ich gehe zum knallroten Rasentraktor. So wie er dasteht, sieht er aus wie ein Mini-Ferrari-Traktor… blankpoliert mit fetten Reifen.

Inzwischen parkt mein Bruder einen großen Traktor mit Heck-Kiste in der Einfahrt. Dorthin muß nämlich der 260-Liter-Grasfangkorb ausgeleert werden. Wenn der so richtig voll ist, ist das ein ganz schönes Workout…und zwar jeder Korb aufs Neue! Ich spüre jedesmal am nächsten Tag meine Nackenmuskulatur, meine Schultern, sowie die die untere Bauchmuskulatur. „Bauern-Fit Inn“, sagt mein Bruder… Dieser 1-PS-Honda (mittlerweile gibt’s es arge Teile mit 2 PS!) hat im Jahr 2001 schon 4000 Euro gekostet und ist immer gut gepflegt worden, jedes Jahr Service, Reinigung etc. ist recht gut ausgestattet: Doppelscheinwerfer (allerdings kenne ich keinen einzigen Menschen, der in der Nacht Rasen mäht!), hydrostatisches Getriebe, elektromagnetische Kupplung, 18-Zoll-Reifen (nicht Felge ;-)),ein 96-cm-Mähwerk und ganz cool mit Schlüssel zu starten.

Fast arge 1 PS

Zunächst schnurrt er ja recht kommod daher, relativ leise….aber es gibt noch einen eigenen Mähwerkschalter! Dieser wird kurzerhand gezogen (Hach, als EX-Berufssoldat liebe ich Maschinen, die sich wie militärisches Gerät bedienen lassen) und dann entfaltet sich die Urkraft des Mähwerks. Es ist so, als ob man einen Apache-Hubschrauber dazusampelt (um im Musikerjargon zu schreiben). Pom-Pom-Pom-Pom…..!!!!

Ich warte nur bis sich der hiesige Oberförster wieder bei mir beschwert. Letztens nach dem mähen, meinte er das der gesamte Rot- und Schwarzwildbestand der umliegenden Wälder für 2 Wochen nicht mehr existent war. Er gab mir die Schuld, das „sein Wild“ in die Nachbargemeinden geflüchtet ist. „Hauptsache zur Treibjagd vom Blaguss (ja, die Busunternehmer-Dynastie kommt tatsächlich aus Unterpullendorf!) sind die Viecher wieder da! Da mäht eh keiner mehr!“, sagte ich zu ihm damals gringend …

Jetzt sitze ich allerdings gerade mit einer diabolischen Fratze auf dem Mäher und kreise mit gefühlten 20 km/h durch meinen Garten.

Verzieht sich wie ein Sch … im Spätherbst

Apropos: Das leiwandste an der ganzen Geschichte ist die Geländegängigkeit mit diesem Fidschigogerl…. Mit hoch gezogenen Mähwerk (7 Stufen) auf „Hoch“ eingestellt kann man Mühelos über 20cm Randsteine fahren und eine Schräglage hat der….fantastisch. Wenn man längs eine steile Böschung fährt, fällt man zwar selbst aus dem Traktor, dieser kippt allerdings nicht um. Ausserdem hat der eine Sicherheitsautomatik. Sobald der Sitz Gewichtsmäßig entlastet wird, schaltet sich der Motor sofort aus! Recht praktisch für einen Hardcore-Mäher wie mich… also nicht das „aus dem Traktor fallen“, sondern die Geländetauglichkeit… Inzwischen hat der Vis a Vis-Mundl kleinlaut beigegeben, unsere Vormachtstellung als Gassenkaiser akzeptiert und sich wie eine Flatulenz im Nebel des Spätherbstes verzogen.

Auch wir sind beeindruckt, der Auftrag ist erledigt, der Rasenschnitt wird vom „Brate“(*) entsorgt und es steht der Feierabend bevor … Also nochmals ran an die Geräte, alles im „Schupfen“bzw. der Garage verstauen und noch ein kühles Blondes zur Feier des Tages. Jetzt fehlt nur noch der Hans Zimmer-Soundtrack von der Gösser-TV-Radio-Werbung im Hintergrund….. so sehen Sieger aus!

(*) Mein Brüderlein und ich sind eigentlich in der Wiener Bronx, also Ottakring, aufgewachsen und spielen daher als Burgenlandkrowodn gerne auch mit Jugo-ismen: Mit „brate“ ruft man seinen Bruder. Doch Vorsicht: „Brate kann Karate!“

 

Zur Person:

Christian „Benc“ Brieber wurde am Nikolaustag 1975 in Oberpullendorf geboren. Er wohnt heute mit Lebensgefährtin Barbara in Wien-Margarethen sowie in Unterpullendorf/Doljna Pulja.

Benc erlernte den ehrenhaften Beruf des Schildermalers, war danach Berufssoldat, lange Zeit Grafiker und ist seit 2009 Berater am AMS sowie Erwachsenentrainer.

Unter der burgenländischkroatischen Jugend berühmt wurde er als Webmasta und Inhaber der Internetplattform cyberkrowodn.at (2002 bis 2012). Von dort kennt der Benc auch den Leo Szemeliker. Sie sind sich als Cyberkrowodn begegnet, noch bevor sie das erste Mal bei irgendeinem Dan Mladine (= Tag der Jugend, größtes burgenlandkrowodisches Festl) ein Bier miteinander getrunken und wahrscheinlich über Politik gestritten haben. (Wer sich noch erinnern kann, war nicht dabei).

Leo, Mario „McMuha“ Gregorich und der Benc nach dem Gig der Red Špricers in Wulkaprodersdorf/Vulkaprodrstof im Juli 2015

Benc schrieb zwischen 2002 und 2009 auch für die Satire-Plattform raketa.at sowie seit 2008 für die Ö3-Comedy-Redaktion (Prof. Kaiser, Tom Wallek-Mikromann, Gernot Kulis etc.). Bis 2012 moderierte er auf dem mittelburgenländischen Lokalsender Radio OP das „Cyberkrowodn-Rockradio“.

Bei der legendären Krowodnrockband Stara Skola war Benc von 2007 bis 2012 als Sänger, Schlagzeuger, Keyboarder und Rotationsallrounder dabei, bei der Austropop-Coverband Dreiermischung von 2009 bis 2016 als Sänger. Aktuell spielt er Schlagzeug bei der Bäng Gäng Wien (seit 2012). Und wenn er einmal nichts zu tun hat, regt er sich über die Schlager- und Tamburica-Krowodn auf.

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