Bubraum #27: Mustang Sally

Eine Woche mit dem Ford Mustang 5,0 V8 Convertible. Acht Episoden mit neun Menschen. Und 422 Pferdis. Das Ende aller Shows, Wind, Lärm und ein Hochwasserdamm als Kulisse.

Christa

Lieber Leo,

ich könnte Dir für den 12.-19. Juni einen Ford Mustang V8 422 PS Aut Convertible anbieten.

Bei Lust und Laune bitte um kurze Terminbestätigung.

Liebe Grüße
Christa

YES!

Nehm ich natürlich sofort! Danke, Christa, you rock! (Falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte ….)

Lg Leo

Das wollte ich hören. 😉
Termin ist eingetragen.
Viel (Fahr-)Freude mit dem Mustang.

Liebe Grüße
Christa

Elias

So schnell kann’s gehen, und schon hast du einen 5,0 vor der Haustür stehen. Der Elias (7), er wohnt ein paar Häuser weiter, hat das auch gleich gecheckt. Er bremst sich mit seinem Fahrrad vor dem roten Gerät ein. Er geht gleich in medias res. „Ist das ein GT?“, fragt er mit Kennerunterton in der Stimme. Ich werfe einen Blick auf den Kofferraumdeckel. „Schaut so aus, Elias.“  „Der hat einen voll super Sound.“ Auch damit hat er recht. „Wenn man ihn einschaltet, kann man das Handy hinten an den Auspuff halten und den Sound aufnehmen, weißt, und dann stellt man das auf YouTube.“ Was soll man dieser Generation noch erzählen? Gar nichts. Es ist eher umgekehrt. Elias erzählt mir immer viel. Ungefragt. Nachdem er sich den Sound aus den acht Töpfen auch live angehört hat und ich den Motor wieder abgedreht habe, berichtet er mir folgendes: „Weißt du, wie du aus einem Dieselauto einen Mustang-Sound rauskriegst?“ Ich: „Gar nicht?“ Elias: „Oja, mit einem Handschuh. Du schneidest die Fingerkuppen vom Handschuh ab und tust ihn auf den Auspuff. Dann klingt der wie ein Mustang.“ Ich habe nicht weiter gefragt, wer weiß, welche Auspuffspielchen mittlerweile auf YouTube zu finden sind.

Tetac Jive

Der Mustang GT Convertible in rot ist ein Showstopper. Auf dem Bahnhofsparkplatz, wo ich den Boliden kurz mal abstelle, rennt mir schon der Hansi entgegen. Er ist der größte Petrolhead im Dorf. Würde berühmt, weil er auf seiner 900er-Egli-Honda in den frühen 80er Jahren einen ganzen waschechten deutschen Biker-Club, die „Wild Tigers MC Merchingen“, zum Kirtag im Dorf gelotst hatte. Wir Buben sind gelegen, angesichts der Wilden Horde auf Japanese Steel, die damals ein paar Tage lang die Dorfstraßen beherrscht hatten. Ich weiß noch, mir – 10 Jahre, klein, blass, Brillenträger, Frisur von der Mama geschnitten – ist vor Ehrfurcht der Mund offen geblieben, als sich Dutzende deutsche Schnauzbärte und Vokuhila-Matten mit grollenden Motoren über die Wulkabrücke nach der Kirche in Richtung Sportplatzgelände reingelassen haben, ein paar natürlich nur auf dem Hinterrad. Ich glaube mich erinnern zu können, dass einer der Schwaben in Kutten sogar mit einer funkelnagelneuen 1100er-Suzuki-Katana angeritten ist, also mit einem der schärfsten, schnellsten und bestausehenden Motorräder der 80er Jahre. Da rennt mir bis heute die Ganslhaut. Und das waren alle Hansis Haberer. Hansi = der Motorradgott.

Heute ist der Hansi im besten Mannesalter, also bald 60, schupft den Laden im Lagerhaus und fährt BMW Z3 M sowie ein Peugeot-Cabrio. Und ruft mir auf dem Bahnhofsparkplatz schon von weitem entgegen: „Heast, is des deina? Vierhundertzwarazwanzig PS, buoa, stari …“ Ich: „Meiner nur bis Montag, tetac Jive*!“ Der Hansi: „Sog ma net tetac. Und der is goa net so teia.“ Ich: „In der Version circa 68.“ (exakt: 68.624,64 Euro, Listenpreis, inkl. Premium-Paket). Der Hansi: „No!? Geht eh! Für vierhundertzwarazwanzg PS!“

* tetac = burgenlandkroatisch für „alter Onkel“, Jive = nordburgenlandkroatische Aussprache von Ive = Hans

Niko und Eva

Zu Hause fragt mich der jüngere, der Hooligan: „Was ist das für ein Pferdauto? Kann der das Dach runter? Kann der schnell?“ Ich: „Das ist ein Ford Mustang:“ Meine Frau Eva: „Ein Ford? Das ist ein Ford??“ Ja, Ford Mustang. So wie in „Mustang, Sally“, Wilson Picket. So wie in „The Comittments“. So wie Steve McQueen in „Bulitt“.  Mike Hammer. Farrah Fawcett in „Drei Engel für Charlie“. Mustang. Gibts eh erst seit 1964. Wobei man über die Baujahre 1979 bis 2004 nicht spricht. Da war der Mustang, samma si ehrlich, ein schiaches Heisl. Aber bis dahin! Pony Car, Muscle-Car, Statement, leistbares Angeberauto. Und seit 2004 auch wieder, da bollert der Ford in seiner sechsten Generation wieder mit der Attitüde von früher daher. Lässt man das Parklicht an, leuchtet am Boden neben den Tüen ein Mustang-Emblem auf dem Asphalt auf. Keinen V8, der so etwas kann, gibts um den Preis, so viel ich weiß. Meine Frau: „Na Hauptsoch. Was verbraucht der?“ Ich: „20 Liter bei blöd fahren, 14,5 Liter, wenn man normal fährt.“ Meine Frau: „Also 20. Gratuliere. Gib ihn zurück.“

Kaffee-Sabine

Musste ich ohnehin nach einer Woche Gaudi mit Pferdi. Vorher aber noch, die Kaffeehaus-Runde. Die Sabine hat schon auf mich gewartet: „Was du immer für Autos hast.“ Der Onkel Adi: „Ford Mustang. Kenn ich, kenn ich.“ „Besser als dein Skoda, oda?“, feanzt ein anderer. Wenn der wüsste. Mein Skoda hat einen Benzindirekteinspritzer-Audi-Motor, in den sie seinerzeit schlechte Kolbenringe eingebaut hatten. Der ist verkokt und sauft mittlerweile Öl wie die Burgenlandkrowodn špricer an einem Sommerabend: literweise. Und Benzin: 11 Liter auf 100 Kilometer. Und das mit vier Zylindern und 160 PS Leistung. Auto Bild hat kürzlich berichtet. Der Herr Schmidinger vom Importeur Skoda Austria hat sich auch schon bei mir gemeldet. Wir machen jetzt mal eine Ölverbrauchsmessung bei Skoda Bauer in Eisenstadt. Dann sehen wir weiter. Was das mit dem Mustang zu tun hat? Nix. Deswegen back to topic.

Der Häuptling

Kommt der Günter in sein Kaffeehaus. Regelmäßige Bubraum-Leser und auch viele andere Menschen wissen, dass der Günter nicht nur mit seiner Frau Sabine das famose „Café 21“ in Wulkaprodersdorf führt sowie Kameramann beim ORF und für Vera Russwurm ist, sondern auch früher „Häuptling“ genannt wurde und mit mir 1986 in London war. Kommt also der Günter: „I wü a so a Auto foahn.“ Ich: „Na dann fahr mit. Ich hol dich ab. Kannst den Mustang dann  auch gleich fotografieren, mit deiner neuen Super-Canon …“ „Passt. Moch ma.“

Toni

Beim Schulfest bekommt der Toni das mit, dass ich mit dem Günter am nächsten Tag Mustang fahren und  Mustang fotografieren will. Der Toni ist Internist. Als solcher ist er zumindest im Krankenhaus angestellt. Von der Leidenschaft her ist der Toni ein Techniker, vor dem Medizinstudium hat er an einer Elektrotechnik-HTL in Salzburg maturiert. Gut für den Toni, dass sie in der Medizin auch EKG, Herzschrittmacher und noch ein paar Maschinen mit dem „Bling“ erfunden haben. Der Toni hat zwei Buben, der Felix (11) ist Gitarrist und der Klaus (10) ist Sportwagenfan. Letzterer sagt: „Egal, was kommt, ich will später einen Sportwagen besitzen.“ Der Toni: „Kann der Klaus mit Euch mitfahren?“`Ich: „Solange er mir keinen Handschuh auf den Auspuff steckt.“ Der Toni: „Wos?“ Ich: „Vergiss es …“

Klaus

Am nächsten Tag plärren der Günter und ich, der Klaus am Rücksitz, mit offenem Dach Richtung Eisenstadt, damit wir den Wagen vor den Fotos mit Günters neuer Super-Canon noch einmal einer Lanzenwäsche unterziehen. Ohrenbetäubender Lärm, Motor, Straße, Windgeräusche, Autoradio, mein Gequatsche. Ich versichere dem Klaus, dass ich normalerweise nie zu schnell fahre, und er seiner Mama nix sagen soll. Der Günter verkrampft sich in die Vordersitze, als der Klaus und ich beschließen, es sollten mal alle Pferdis raus. „Oida“, bringt der Häuptling gerade noch raus …

Nach dem Autowaschen sagt der Klaus: „Können wir, wenn wir zurück fahren, das Dach zumachen?“ Ich: „Ah, wars dir doch zu windig?“ Der Klaus: „Nein. Ich will nur den Motorsound gscheit hören.“

Was soll man dieser Generation noch erzählen.

Günters Fotos vom Mustang vor dem neuen Hochwasserdamm auf den Sandäckern („pijeski“)

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Der Fotograf

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Günter Winkler (geboren 1969), betreibt mit seiner Fraun Sabine das „Café 21“, Untere Hauptstraße 21,  7041 Wulkaprodersdorf.

Das Lokal hat ungewöhnliche Öffungszeiten: Montag bis Samstag von 7.30 Uhr bis 12 Uhr, Freitag zusätzlich abends so lange es lustig ist. Zielgruppe: zwischen 18 und 92 Jahren (einer der STammgäste ist tatsächlich 92).

Der Günter ist eigentlich gelernter Koch und Kellner, wäre einmal fast nach Kanada ausgewandert und arbeitet seit vielen Jahren nunmehr schon als selbständiger Kameramann, unter anderem für den ORF Burgenland, für die „Universum“-Reihe und für Vera Russwurms Produktionsfirma. Wenn er unterwegs ist, bringt er gern spannende bis obskure Spirituosen mit ins Dorf, die er dann am Freitagabend im „Café 21“ auch ausschenkt.

Leo und Günter hatten 1986/87 gleichzeitig weiß gebleichte Haare und waren damit in London. Sie haben gemeinsam in einer Band gespielt, die aber lediglich zwei Auftritte hatte, einen 1988 im Martinshof in Eisenstadt und einen 2004. in der Cselley Mühle in Oslip/Uzlop. Der Name der Band: Furunkel Anal. Eine Legende, wie man so sagt.

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2 Kommentare

  1. Ah, da schlägt mein Herz gleich höher. Da ich ja die zugeschweißte Version vom Mustang fahr (und auch nur die Ecoboost Version) krieg ich dennoch Herzklopfen beim Lesen. Der nächste wird wohl auch der 5.0 😉

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