Bubraum #34: Don’t Believe the Hype

I refuse to blow a fuse
they even have it on the news
don’t believe the hype
(Public Enemy)

Seit Bubraum #33 ist ordentlich Zeit vergangen. Der Grund: Ich war inzwischen in Alpbach, bei den Technologiegesprächen. Coole Sache. Gute Leute, großartige Vorträge. Unter anderem. Aber lasst mich genauer berichten …

School of Electricity

Vor dem Kongresszentrum, bei der Volksschule hatten sie Elektroautos zum Ausborgen aufgestellt. Gesponsert von der Zeitung „Die Presse“ und vom Ladenetz Smartics, im Eigentum der Verbund AG und von Siemens.

Eine ganze Palette an Autos stand den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Verfügung. Etwa: Nissan Zoe, Hyundai Ionic, BMW i3, Plug-In-Hybrids von Volvo, Mercedes-Benz. Und: zwei Teslas. Einmal dürft Ihr raten, welche Autos die ganze Zeit volle Wäsch ausgebucht waren. Richtig.

Um Tesla zu fahren, hätte man um 8h früh gestellt sein. War ich fast eh jeden Tag, musste ja die Plenary Sessions journalistisch mitdokumentieren. Einen Tesla habe ich trotzdem keinen abbekommen.

School of Sweat

Freitagnachmittag, ich hatte x Breakthrough Sessions besucht. Breakthrough Sessions nennen sich in Alpbach jene Diskussionen mit MinisterInnen, ManagerInnen und WissenschafterInnen, bei denen in den Klassen der Haupt-, sorry Neuen Mittelschule in Alpbach viel zu viele viel zu wichtige Leute sich viel zu gerne reden hören. Dabei entsteht viel zu viel heiße Luft. Deswegen schwitzen alle.

Ok, das war jetzt etwas zu pauschal. Im Turnsaal der Neuen Mittelschule war es beispielsweise gar nicht so heiß. Und die Diskussionsbeiträge und Vorträge waren richtig gut. Dort waren auch nur Leute aus der Industrie. Keine Politiker. Und -innen.

Jedenfalls bin ich gegen halb sechs Abends völlig überhitzt aus den Breakthrough Sessions rausgetaumelt, den Berg wieder rauf gewankt, Richtung Raiffeisenkassa. Und beim beim Jakober eingekehrt.

Der Jakober. Alpbach-Veteranen grinsen jetzt. Das ist doch der Wirt, dessen „Waschkuchl“ zur Disco umfunktioniert wurde. Was haben wir dort für Partys gefeiert, Journalisten, Studenten, Politiker, Wissenschafter, Banker. Und -innen. Die Elite des Landes. Um zwei Uhr früh eine betrunkene Masse. Die „Satisfaction“ mitsingt. Und „Anton aus Tirol“. Unterbrochen nur von irgendwelchen hohen ÖVP-Funktionären, die sich gegenseitig angebrüllt haben, wie irgendwer schon wieder irgendeinen Bundesparteiobmann absägen wollte. Heuer eh nicht, heuer sind sie ja alle ganz fürchterlich enthusiasmiert vom aktuellen Obmann. Heuer schaute die „Waschkuchl“ beim Jakober irgendwie auch zu aus. Was weiß ich. Ich war ja nicht zum Spaß dort.

Ich setze mich also zum Jakober auf die Terasse. Und ordere ein Eierschwammer-Gröstl. Mit einem Märzen vom Trumer. Ein Gedicht. Ernsthaft. Sensationell!

Neben mir eine Partie TU-Studenten. Nix -innen. Warum ich weiß, dass das TU-Stundenten, nix -innen sind, bevor sie noch ein Wort gesagt haben? Ernsthafte Frage? Geh bitte. Ich sehe sie und eine Sekunde später reden sie über Blockchains. Irgendwie verlangsamt, aber immer noch hochkompetent. Verstünde ich etwas von Blockchains, würde ich das zumindest vermuten. Nach einer Minute parlieren sie über Start-Up-Gründungen. Und dann über Autos. Schwere Zunge, hin der her, gewisse Themen müssen im TU-Studenten-Protokoll offenbar einfach abgearbeitet werden. Ich merke, sie hatten schon zu viel vom guten Märzen vom Trumer. „Oida“, sagte der eine zum anderen Kommilitonen, als sie wieder auf der Erde gelandet waren und ich mein Jahrhundert-Jakober-Eierschwammer-Gröstl fertiggegessen hatte, „wenn ma morgen a Tesla foahn wuin, suitat ma weniga saufn …“

School of Black Matter

Samstagvormittag. Kongresszentrum Alpbach. Ich stelle das lässige weiße Auto neben die Kokurrenz in die dunkel Garage im Berg.

Die letzte Plenary Session in Alpbach widmete sich Schwarzen Löchern. Beziehungsweise dem Lärm, den diese – äh – Dinger (?) machen, wenn sie kollidieren. Gravitationswellen. Einstein hatte doch recht, angeblich. Verdammt, ich hätte die TU-Trangler fragen sollen, oben ein Schwarzes Loch ein Ding ist. Andererseits, tuts zur Geschichte nichts beitragen, die richtige Begrifflichkeit. Jedenfalls, Applaus für Karsten Danzmann, den Popstar der Astrophysik von der Uni Hannover. „Sounds für the Dark Side of the Universe“. Der Herr Professor mit der silbergrauen Professorenfrisur weiß, wie man ein Auditorium rockt. TU-Studenten, ja. Aber definitiv  auch -innen.

Nach der Session gehe ich in die Garage und setze mich in den lässigen selbstverständlich alpin weißen Jeep Renegade, mit dem ich heuer nach Alpbach gefahren bin. Ich biege beim rausfahren aus der Kongressgarage nicht gleich rechts Richtung Tal ab (vorbei beim Jakober, Richtung Wien), sondern ich wähle die Straße nach links. Bergwärts. Weida eini ins Toi. Auf auf den Berg rauf über schmale Serpentinen. Der Burgenlandler traut sich gar nicht den Berg runter schauen. Also schau ich nach oben und such die beste Foto-Op für das Alpbach-Foto mit dem Jeep.

Hier seht ihr, was ich gefiunden habe.

Zeit für ein paar Daten zum Fahrzeug: Ich hatte vom Andi von FCA Austria für meine Tour Alpbach 2017 einen Jeep Renegade Limited mit einem äußerst sparsamen 140-PS-2.0-Multijet-II-Dieselmotor, einer 9-Gang-Automatik und einem Allradantrieb mit Unterstzungsgetriebe als Testauto bekommen.

So wie er hier zu sehen ist, kostet der Wagen 35.250 Euro (Listenpreis) plus 4527,60 Euro für die Sonderausstattung (Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Einschaltautomatik, adaptivem Tempomaten, weiße Ledersitzbezüge, Alpine-White-Lackierung, beheizte Sitze und Lenkrad und einige brauchbare Funktionen wie schlüssellos Starten).

 

In den Bergen nicht so wichtig, aber für die Anreise nach Alpbach wirklich angenehm: Die vielen Sicherheits- und Fahrassistenzsysteme, die in den Renegade mittlerweile eingebaut sind: Adaptiver Tempomat, der Abstände zum Vorderauto automatisch einhält, mit Kollissionswarner und Bremsassistent, Spurhaltesystem und Blind-Spot-Sensor mit hinterer Bewegungserkennung (das war hilfreich im engen, verparkten, von gescheiten Menschen bevölkerten Alpbach).


School of Hype

Und ganz oben am Berg. Was finde ich sonst als: einen  Tesla. Was sonst.

Irgendein Holländer, vermutlich TU-Student, sitzt drin. Und eine gutaussehende Kommilitonin mit Turban. Der Holländer hat vermutlich deutlich weniger gesoffen als seine österreichischen Kollegen. Schließlich hatte er einen Tesla. Und die Kollegin im Auto. Damit stand er auf der Alm und ließ die Flügeltüren spielen. Ich hab mich nicht überwinden können, nicht stehen zu bleiben und den lässigen Jeep mit dem kalifornischen Emporkömmling zu fotografieren. Don’t believe the Hype. Leichter gesagt als getan.

Beim Zurückfahren bin ich noch beim Jakober vorbei. Illegal durch die Einfahrt neben der „Waschkuchl“. Schnell ein Erinnerungsfoto. Und dann runter ins Tal, Richtung Osten.

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