Bubraum #35: Plovi mala barka

Mit einem großen SUV-Schiff, dem sehr windschnittig designten Landrover Discovery 5, durch Bora und Velebit nach Zadar, der Stadt mit dem schönsten Sonnenuntergang der Welt. Beinhaltet auch 2 Plädoyers für Flexibilität und Vertrauen auf etwas Glück. Und 1 Erkenntnis: Auf die Frage „Wann simma da?“ passt übrigens manchmal die Antwort „Aber warum denn …?“

Mit meinem älteren Sohn, dem Chefredakteur der „Morgenkatz“, habe ich seit einigen Jahren, seit er in der Volksschule ist, einen Disput darüber, ob jetzt Anfang September, wenn sie wieder lange Jeans anziehen müssen, die Rüben, schon Herbst sei oder noch Sommer. Er: Sommer. Bis 21. September. Er ist der Formalist von uns zweien. Das hat er von seiner Mama. Die kocht auch immer nach Rezept. Ich schmeiß halt irgendwas rein in die Pfanne. Ich bin flexibler. Ich sage: Draußen ist Herbstwetter. Also ist auch Herbst. Es geht im wesentlichen um den Unterschied zwischen dem meteorologischen. Herbst und dem astronomischen.  Sommer ist nicht mehr. Sage ich. Mein Sohn: schon. Er muss totzdem schon Jacke und Kappe aufsetzen und am Abend, wenn er noch kurz über die Wege hinter unserem Haus mit seinem neuen Union-Jack-Frog-Bike unterwegs ist, die LED-Lamperl draufschnallen. Weil es früher finster wird.

Womit ich im ersten Absatz gleich zwei Themen angerissen habe, die ich unbedingt unterbringen wollte, bevor der Sommer sowohl meteorologisch wie ach astronomisch vorbei ist. England, Sommer. Und der Titel? Warum dieser Urlaubs-Krowodn-Hit, wie mein Freund und Musikerkumpane Mario Gregorich, der Chef der Turbokrowodn und Frontman von Schalltaxi, die Nummer immer nennt? „Plovi mala barka“, „Schwimm, kleines Boot“, kennt wahrscheinlich jeder Dalmatien-Urlauber. Ein Schlager, ein Hit, der allererste Floorburner von den „Novi Fosili“, einer kroatischen Jugo-Band, aus dem Jahr 1976. Crikvenica, tanze.

Der Chefredakteur der „Morgenkatz“ und sein Bruder, als es noch keine „Morgenkatz“ gab, im Kofferraum (in der dritten Sitzreihe) des Landie Disco 5, mit dem wir heuer nach Zadar geschippert sind (der Kleine, der Revoluzzer,  hat eine Kappe von Seat auf.)

Jetzt sind wir also da, wo wir hin wollten: Wir waren auf Urlaub (Sommer) in Zadar (Kroatien) mit einem Landrover Discovery 5 (England). Ich habe zwar schon kurz über den Wagen geschrieben, im Zusammenhang mit der AdBlue-Diesel-Sache. Aber die Fotos bin ich Euch noch schuldig. Und ein paar Worte über den feinen, weißen Landie.

In Zadar gibt es ja tolle Sonnenuntergänge. Das Zitat von Regisseur Alfred Hitchcock bei einem Besuch der norddalmatinischen Stadt im Jahr 1964 ist nicht unbekannt: „Zadar has the most beautiful sunset in the world, more beautiful than the one in Key West, in Florida, applauded at every evening.“ Ich war noch nie in Florida. Aber die in Zadar sind schon großartig, kein Zweifel.

Also, was spricht dagegen, den weißen Landrover Disco, dieses wirklich gelungene Stück Auto-Design, vor den wirklich gelungenen Zadar-Sunset zu platzieren. Gute Idee. Aber wohin genau?

Zunächst ab die die Waschbox. Zadar ist mitunter staubig.

Nach der Dusche fahre ich  mit dem Landie in die Altstadt (stari grad), die bekanntlich auf einer Halbinsel liegt. Also nicht direkt rein in die engen, mit glattem Kalkstein gepflasterten Gassln, zwischen die venezianischen Häuser, dort werden maximal kleine Lieferautos in den frühen Morgenstunden reingelassen.

Nein, ich staue mich die Stadtmauer entlang zum Nordzipfel der Halbinsel, dort wo die berühmte „morske orgulje“, die Meeresorgel sich befindet, ein experimentelles Musikinstrument mit „Orgelpfeifen“ in den Stufen der Kaimauer, die klingen, wenn die Wellen der Adria an die Mauer schlagen und die Luft durch die Röhren drücken. Hier zu hören:

Jedenfalls: Dort sind immer die Menschenmassen, zumindest im August, wenn auch wir, ferienbedingt, in Zadar, im Falkensteiner-Club Borik, uns aufhalten. Zum Sonnernuntergang speziell heißt da bei der Meeresorgel: Stau, keine Parkplätze, keine Chance, das Auto hinzustellen und malerisch vor dem Naturschauspiel abzubilden.

1964, zu Hitchcocks und Titos Zeiten, war das sicher besser. Nur da gabs noch keinen weißen, schmucken Discovery. Land Rover hatte damals ein einziges Modell, den Land Rover Serie II, den Nachfolger des Serie I. Aus der Serie III wurde dann in den 90er-Jahren der Defender, der ja bis heute treue Fans hat.

Doch zurück zu meinem Problem: Die Sonne sank und und sank und ich hatte keinen guten Platz für ein Foto. Ich fuhr also zurück entlang der Stadtmauer, ließ alle zehn Meter Touristenmassen die Straße queren. Und verlor Minute um Minute. Ich musste die ganze Runde bis nach Borik wieder rausfahren, um dort bei der Marina wieder auf die Einbahnstraße entlang der Kaimaier vis a vis der Altstadt, beim Bootshafen, zu kommen. Minute um Minute. Plovi, mala barka, plovi.

Doch wie immer im Leben eines flexiblen Pragmatikers gehts es sich irgendwie aus. Das zusammengepantschte Essen schmeckt doch irgendwie hervorragend. Das Wetter passt irgendwie zu dem Gewand, das man noch schnell ins Auto geworfen hat. Der Sonnenuntergang wird dramatisch, mit Sonne und Regen im August, wenn man irgendwie einen halb legalen Parkplatz neben dem Meer gefunden hat. Uživajte, sagen wir Krowoden. Enjoy.

Noch ein paar Worte zum Auto selbst. Die Discovery-Serie ist sehr wichtig für Landrover. Es ist kein Hardcore-Offroader, vom Stil her würde ich ihn als Designerstück-SUV bezeichnen. S-Off-Road, war das Wortspiel, das ich aus vermutlich guten Gründen nur selten gelesen habe.

Der Disco besteht zu einem Großteil aus Aluminium, so wie der große Luxusbruder Range Rover. Gibt sich soft, urban, stylisch. Hat aber beeindruckende Offroad-Fähigkeiten. Die habe ich, ehrlich gesagt, nicht getestet, dazu war mir der schöne Wagen zu schade und ich wollte nicht die vorwurfsvollen Blicke vom Dieter von Land Rover Jaguar Austria mir vorstellen, wenn ich ihm das Gerät zerkratzt und zerschunden retourniere. Ich weiß, irgendein Kollege wird das schon erledigen. Aber ich bin die Kategorie: demütiger Motorjournalist. Der Wagen, ein 3,0l-Td6-HLE-Siebensitzer in Yulong White Metallic kostet neu ja immerhin mindestens 78 Tausender, mit den Extras in unserem sind wir auf 93.284 Euro. Damit wir uns verstehen. Also, mehr Offroad als der steinige Parkplatz vor dem Hotel ist es nicht geworden.

Zum Reiseerlebnis noch in aller Kürze: Man thront wirklich hoch über der Fahrbahn. Auf kurvigen Straßen merkt man, dass er wir ein Schiff wankt, aber das war, wenn ich  mich recht erinnere, bei den Vorgängermodellen noch störender. Die 650-Kilometer-Fahrt war jedenfalls insgesamt sehr entspannt. Der adaptive Tempomat regelt ganz verlässlich den Abstand zu den Autos vor uns, die Spurhalteassistenz hat mich etwas weniger überzeugt, da habe ich schon welche in anderen Autos gespürt, die intuitiver eingreifen. Alles ist sehr dezent auf Komfort, wenig auf Sportlichkeit, eigentlich gar nichts auf Offroader ausgelegt. Stört mich aber weder im Stau, noch entlang der Küste oder über die Berg‘. Der Discovery 5 ist ein nobler Personentransporter, mit einem balancierten Anspruch bei Komfort, Geländegängigkeit und mit einem Hauch Luxus.

Die obligatorische und alle zehn Minuten über sieben Stunden lang zu beantwortende Frage „Wann simma da?“ habe ich dann in dieser netten Umgebung entspannt mit „Warum denn?“ beantworten können.

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