Bubraum #37: Shake Your Booty

Wenn einem der Wagen auf der Bundesstraße wegtrocknet, weil die Katzen vermutlich nur zu Mäusen grausam sind und nicht zu Mardern, und die Rüben wegen Samstagvormittagstaschengeldverprassungsstress sofort die Reparatur des Wagens einfordern – dann geht einem das alles ziemlich auf den …

Gott soll einen hüten vor allem, was noch ein Glück ist. Was ist schon ein Glück? Zum Beispiel, dass einem das Auto vor der Haustür eingeht? Und nicht auf der Rampe der Parkgarage in Wiener Neustadt. Nicht genau auf der Eisenbahnkreuzung zwischen ARBÖ und Gebietskrankenkasse in Eisenstadt. Oder eh nicht mitten in einem Harley-Treffen am Wörther See, nachdem man sich die ganze Zeit über dicke Eisen und dicke Männer lustig gemacht hatte. Nein, mir ist das Heisl vor der Haustür eingegangen. Also quasi davor, ich habs auf die B50 geschafft, steig ins Gas und … brrrpp, wlopp …. bei 2000 Touren verweigert es die Gasannahme. Unangenehme Vibrationen aus dem Motorraum bewegen sich über den Unterboden ins Wageninnere und melden meiner Sitzfläche: Das kann teuer werden.

Gleich ein Einschub: Ich habe hier ja schon mal berichtet, dass „Auto Bild“ in meinem Fall (also nicht nur in meinem, aber auch in meinem) dem VW-Konzern auf was drauf gekommen ist. Nein, nicht auf das, was Ihr jetzt glaubt. Ich habe keinen Diesel, sondern einen Benziner, einer Direkteinspritzer, einen 1,8-Liter-TFSI mit 160 PS in einem Skoda-Superb-Kombi. Ein cooles Auto. Würde er nicht so viel Öl saufen.

Grund sind laut „Auto Bild“ zu schmale Ölabstreifringe, die „wahrscheinlich von Anfang 2008 bis Mitte 2011 in den Motoren des Typs EA888 verbaut wurden“. Diese hätten unpassende Dimensionen, sodass die Zylinder im Endeffekt verkoken.

Audi hat das auf Druck der Zeitung aus dem Axel-Springer-Konzern schon zugegeben und bietet „Kulanzlösungen“. Ich würde die in Österreich wahrscheinlich auch bekommen, aber ich zögere noch, denn gratis geht das für mich dann auch nicht ab. Eine dieser Probleme, die leider nicht von alleine weggehen, nur weil man sie hartnäckig ignoriert.

Na jedenfalls: Ich krieg die Krise, als mit der Wagen wegtrocknet, als ich gerade auf dem Weg zu einem Termin in Eisenstadt war. Ich ließ ihn über die Maschek-Seite wieder ins Dorf reinrollen, Motor im Notlaufprogramm.

Glücklicherweise ist ein Bekannter technisch versiert und nicht weit weg. Ich rufe an, er kommt vorbei, hört sich das unrunde Gezitter an und meint: Vermutlich eine Zündspule. Er stöpselt seinen Laptop an das Onboard-Diagnose-System an, und wir sehen sofort, welcher Zylinder wann bei welchem Kilometerstand ausgefallen ist. Es ist die Nummer eins. Was ich natürlich durchs unrunde Laufen schon zuvor per Popsch gespürt hatte (haha!).

Blick unter die Lenksäule. Der rosa Sockel nimmt den Stecker des Diagnose-Laptop auf. Das hört sich jetzt auch irgendwie sexuell an …

Ich tippe auf einen Marderbiss als Ursache. Was mich unter Auskennern aber sofort als vollkommen unwissend erkennbar macht. Nein, sagt mein Bekannter, da kommen die nimmer zuwi, die Mistviecher. Es gäbe ja keine Zündkerzenkabel mehr. Die Zündspulen-Stecker sind an äußerst kurzen und dick isolierten Kabeln angeschlossen, das sei unwahrscheinlich, dass der schädliche Nager hier etwas zum Anbeißen finden.

Zündkabeln zum Verbeißen gibt es bei diesem Motor nicht mehr, und der ist fast zehn Jahre alt …

Auf der Homepage des „Fokus“ findet sich folgende Statistik: „Zu 40 Prozent beißt der Steinmarder in Zündkabel, zu 21 Prozent in Niederspannungskabel und nur zu 14 Prozent in die Manschetten von Antriebswellen und Lenkung.“ Die haben auch keine Ahnung, die Statistiker. In dem Artikel steht auch, dass der Marder in weiche Dinge in meinem Motorraum beißt, weil ein anderer Marder dort schon hingepisst habe und dem Nebenbuhler das stinke. Was soll ich sagen? Cockfights im Marderklo, das mein Motorraum ist.

Marderfutter? Nein, Opfer von sexuell begründeter Marderwut …

Bei meinem Wagen hat der Marder bereits die Lärmisolierung der Motorhaube Löcher gefressen. Ich frage mich, was meine zwei feigen Kampfkatzen machen, wenn sie nächtens durch die Felder streifen. Arme Mäuse malträtieren, ja, aber sicher keine wütenden Marder zur Räson bringen, eh klar, die haben ja zu spitze Zähne. Ich erinnere mich an den Opel Mokka X vergangenen Winter, da hatte der Marder sich zweimal am Scheibenwasch-Schlaucherl vergangen. Wahrscheinlich, weil ich Marderpisse aus Wien-Aspern mit dem Testwagen ins Burgenland importiert hatte und das den lokalen Mardern dann so gestunken hatte …

Oida. Die Marder. Aber ok. Tut jetzt auch nix zur Sache.

Wir waren eigentlich bei Zündspulen, ganz normalen Verschleißteilen, die ohne Marderbenässung verschleißen. Wir nehmen die Motorabdeckung ab und tauschen die Zündspulen zwischen den Zylindern aus. Ein auf zwei, zwei auf drei, drei auf vier, vier auf eins. Und wir fahren noch eine kleine Sportplatzrunde. Brrr, wlopp. Der Laptop sagt, jetzt setze der zweite Zylinder aus. Was mein sensibler Popsch natürlich aufgrund der anders unrunden Vibrationen auch feststellen hätte können (hahaha!). Shake your booty.

Zündspulen haben Mechaniker früher noch selber wickeln können, sagt der Experte. Heute schaut man auf die so genannte Boschnummer und ruft beim Teilehändler an. Der sagt, am nächsten Tag könne ich das 33-Euro-Ersatzteil holen.

Die Rüben waren außer sich. „Kein Auto morgen vormittag?“ Wie können man am Samstagvormittag dann bitte zum Interspar kommen, um da Taschengeld sinnlos für Pokémon-Karten zu verprassen? Ich dankte dem Marder für seine urinale Leistung, den Motortechnikern bei Audi für ihre vor Kunden gut verborgenen Minderleistungen, und Bosch für die (geplante?) Obsoleszenz. Die Rüben wollten sich persönlich hinter das Telefon klemmen, um jemandem zu finden, der das Teil um 7 Uhr früh aus Eisenstadt abholte. Da sie dann aber doch zu feig dafür waren, bekam ich bis Mittags Gnadenfrist. Bis dahin musste die neue Zündspulen drin sein, forderten sie. Oida. Ich kann Euch sagen, sowas geht einem auch dann auf den Popsch am Samstagvormittag ….

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