Bubraum #6: Are ‚Friends‘ Electric?

Die Buben ohne und mit akademischem Grad fahren zum ersten Mal ein Elektroauto. Der BMW i3 beschleunigt wie ein X-Wing-Fighter. Den Papa vom Felix haben wir damit hergebrannt. Es gibt aber auch vernünftige Gründe für E-Autos. Oida!

„WIr bekommen ein Elektroauto von BMW zum Testen!“
„Cool-oh! Kann ich im Kofferraum sitzen?“

Der jüngere meiner beiden Buben war, bevor er zum ersten Mal in einem Elektroauto gesessen ist, vom Konzept Fahren mit Strom noch nicht richtig überzeugt. Seine Priorität bei Autos lag in dieser Phase bei Im-Kofferraum-sitzen. Siehe dazu Bubraum #3. Die Logik eines Sechsjährigen: Wenn der Oldie ein Testauto bekommt, dann wohl nur aus dem einzigen Grund, dass man in diesem Gefährt dann auch im Kofferraum sitzen kann. Wozu sonst, bitte?

Auf dem Rücksitzbank ist nicht im Kofferraum.

Ich hab ihm dann den Kofferraum des i3 zeigen müssen. Er war fassungslos. Ähnlich wie der Kofferraum selbst. Ich habe später drei Waldquelle-Kisten vom ortsansässigen Getränkehändler eingeladen. Der Lagerarbeiter fragte mich die üblichen Fragen. Preis? Reichweite? PS? Ich hatte mir das die Antworten zurechtgelegt: 37 mit der großen Batterie, Hundertsiebzig. Zweihundert, wenn du nicht allzu blöd fährst und die Hi-Fi-Anlage bis zum Anschlag aufnagelst. Also hunderfuffzig. Wie oft er nachladen müsse, wenn er seinen Bruder in der Schweiz besuchen fahren wolle. Nimm den Zug, habe ich gesagt.

Oida, bistunarrisch?

Den Buben taugten die 170 PS („170!? Pfoh, das sag ich dem Felix!“) und vor allem das Faktum, dass bei einem Elektromotor das volle Drehmoment von Null weg da ist. Der Vater vom Felix hat von den 170 dann wirklich persönlich erfahren. Unter der Autobahnbrücke südlich von Eisenstadt ist er mir mit seinem bestmotorisierten Audi-Kombi tatsächlich und zufälligerweise zunächst auf Zentimeternähe aufgefahren. Ich bin dem i3 mal kurz in die schmuck designten Eisen gestiegen. „Oida, bistunarrisch, gibts des?“, sagte der frisch hergebrannte Vater vom Felix ein paar Minuten später, als er den Wagen, der ihn da gerade beschleunigungsmäßig sowas von auf die Plätze verwiesen hatte, vor meiner Haustür dann auf jeden Fall genauer begutachten wollte.

Mich erinnert der sirrende i3 an dieses atom(?)-betriebe Auto (eigentlich ein biederer Subaru Leone), mit dem (der Hongkong-Chinese) Jackie Chan damals im Film „Auf dem Highway ist die Hölle los/The Cannonball Run“ 1981 die japanische High-Tech-Bedrohung darstellen sollte. Heute ist BMW aus München eigentlich der Hersteller, dem man bis dato den ernsthaftesten Ansatz in Richtung E-Mobilität unterstellen darf.

Klar, der BMW i3 ist ein Kleinwagen. Der sicher nicht für alle Mobilitätsbedürfnisse umstreicht. Meine Frau und meine Kinder tendieren dazu, selbst für einen Wochenendausflug mit Übernachtung zwei große Koffer zu benötigen. Es könnte sich ja jemand mit O-Saft anschütten und das nicht einmal am Tag, sondern dreimal. Oder es könnte ja eine Einladung zum Galadiner herein schneien. Das „Verrückte Labyrinth“-Brettspiel muss dann genau so mit wie die halbe Stofftierbelegschaft. Und die Micro-Roller. Und und und. Sie schaffen es immer, unseren Familienkombi, einen sieben Jahre alten Skoda Superb, bis zum Dachhimmel anzufüllen.

Einen umfangreicheren Einkauf bekommt man schon rein. (Wer hat die Stoßstange so verdreckt???)

Eierdoktor, Oida!

Für Stadtfahrten ist der i3 hingegen schlicht sensationell: agil, spritzig, ein Wendekreis wie ein Bugaboo-Kinderwagen. Auch wenn es darum geht, zur Arbeit und retour zu pendeln: brauchbar. Shoppingfahrten? Durchaus. Oder an diesem einen Abend im Jahr, an dem sich meine Studienkollegen Franz, Karl, Thomas sowie „der Eierdoktor aus dem Weinviertel“ (Günther, der Urologe aus Matzen) und ich so richtig schlecht in einem Innenstadtlokal in der Weihnburggasse benommen werden haben: Davor begaben sich der Thomas und ich elektrisch zum Bubenabend. Vernünftig? Voll! Sagt der eine Magister der Betriebswirtschaft zum andern: „Geh, steig eam amoi gscheit eine, Oida!“

Was uns – den Buben mit akademischem Grad und ohne – getaugt hat, ist vorab einmal das Fahrverhalten des Elektroantriebs. Volles Drehmoment sofort. Dabei kein Lärm, außer Wind und Reifen. „Wie ein X-Wing-Fighter aus Stah Boas!“ Was CO2-Emissionen sind, wissen die Buben nicht. Sie sind ihnen auch nach der Erläuterung egal. Super finden sie aber, dass man nicht mehr tanken muss.

Ein neue Erfahrung als Elektro-N00b war die Tatsache, dass man das Bremspedal im wesentlichen nur mehr für Vollbremsungen braucht. Bremsen im Normalverkehr geht eigentlich ausschließlich durch die Motorbremsung. Man muss sich dabei übrigens nur bewusst werden, dass jedesmal, wenn man etwas energischer vom Gaspedal geht, die Bremslichter aktiviert werden – eh klar. Führt aber dazu, dass man von netten Limousinenfahrer blöd von hinten angehustet wird. Elektromobilität bedeutet auch Lernprozesse für Hutfahrer, die selbst nie was anderes fahren werden als ihre Turbodiesel.

Der Rechenvergleich mit oida Technologie

Damit kommen abschließen wir zum Kern der Sache: Um wie viel billiger komme ich im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor?

Lassen wir die (bei den E-Autos im Vergleich hohen) Anschaffungskosten vorab mal weg. Rechnen wir nur die Sprit bzw. Stromkosten aus.

1 Batterieladung im BMW i3 (Leistung der großen Batterie: 27,2 kWh) kostet bei einem Strompreis von, sagen wir mal, 20 Cent pro kWh genau 5,44 Euro.

Damit komme ich realistischerweise 200 Kilometer weit. Ein Kilometer kostet mich also 2,72 Cent an Stromkosten.

Rechnen wird uns einen Vergleich aus mit einem 110-PS-Turbodieselmotor, der im persönlichen Mix 7,5 Liter Sprit pro hundert Kilometern verbraucht. Bei einem Dieselpreis von 1,20 Euro kostet der Kilometer also 9 Cent.

Kurz gesagt: E-Autos fahren kostet an reinen „Spritkosten“ weniger als ein Drittel. Und verursacht null Emissionen! (Stimmt auch nicht ganz, der Strom kommt ja bekanntlich nicht aus der Steckdose, sondern aus dem Kraftwerk. In Burgenland freilich haben wir viele Windräder, also ist bei uns der Strom sauberer. Ganz sauber geht nicht, weil wenn die Räder still stehen, müssen auch wir Strom importieren, und da weiß keiner, aus welchem Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerk der Strom stammt, weil der hat bekanntlich auch kein Mascherl … Oder er kommt aus der Photovoltaik-Anlage vom Dach, dann schau die Rechnung wieder anders aus).

Jedenfalls werden die Versorger doch noch anzahn müssen beim Ausbau der Schnelllade-Möglichkeiten. Denn die E-Auto-Prämie bringt ab 2017 sicher einen Schub, Zwei Ladestationen in einer der größten Park-&-Ride-Anlagen der Hauptstadt reichen sicher nicht. Ich war froh, dass ich am Abend des schlechten Benehmens eine von zwei Smartric-Schnelllade-Steckdosen frei waren. Interessant wird auch, was noch mit den Netzen gemacht werden muss, sollten E-Autos wirklich zu einem Massenphänomen werden. Wenn dann in einer Siedlung alle gleichzeitig von der Hacke nach Hause kommen und die Elektromobile zum Laden zu Hause anstecken.

Was bei einer Berechnung der Total Cost of Ownership nicht vergessen werden darf, ist der Wertverlust des Wagens. Jede Stunde, jeden Tag, jedes Monat, jedes Jahr wird der Wagen weniger wert. Dadurch entstehen Kosten. Weiß jede HAK-Schülerin. Je höher der Anschaffungspreis, desto höher der Wertverlust pro Zeiteinheit bzw. Pro gefahrenem Kilometer. Logisch, oder? Der Wertverlust ist nicht linear, sondern steiler in den ersten Jahren und verflacht dann. Welchen Verlauf der Wertverlust aber genau nimmt, hängt von den erzielen und erzielbaren Wiederverkaufspreisen ab. Bei einem Auto wie dem BMW i3, der 2013 auf den Markt gekommen ist, fehlen noch die Daten (die vom Marktdienstleister Eurotax erhoben werden).

Die Anschaffungskosten von E-Autos sind noch hoch in Relation zu Dieslern und vor allem Benzinern. Was diesen Nachteil aber teilweise aufhebt: Der Staat will keine motorbezogenen Versicherungssteuer (senkt die monatlichen Kosten)und beim Kauf auch keine Normverbrauchs-Abgabe. Ab 2017 kommt noch eine Kaufprämie dazu. (Die beiden letzteren Förderungen senken die Anschaffungskosten).

Jetzt kostet der BMW i3 mindestens 35.700 Euro laut Preisliste, mit der 94Ah-Batterie 36.900 Euro. Nimmt man auch noch den REX-Range-Extender dazu (einen Benzinmotor, der die Batterie auflädt), kommt man schon über 40 Tausender. Das ist schon viel Geld für ein Auto mit knapp vier Meter Länge. Dafür gäbe es auch sehr gut ausgestattete Minivans. In denen die Rübe sogar im Kofferraum sitzen kann! Ginge es nach dem Kleinen, werden wie oben erwähnt nur Autos angeschafft, in denen man im Kofferraum sitzen kann. Null Emissionen hin oder her.

Bad joke, Oida!

Trotzdem bin ich nach meinen ersten Kilometern mit dem Elektro-BMW alles in allem recht begeistert von der Technologie, vor allem vom Fahrgefühl. Fazit: I am an electric friend. Oida, ist das ein bad inglisch joke!

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