Bubraum #7: The Power of Soul

Die Buben mögen die Soul-Red-Lackierung des Mazda CX3. Und wollen wissen, was er kann. Ich bin den schnittigen City-SUV zweckentfremdend bis nach Hühnergeschrei hinauf gefahren und habe im Mühlviertel sogar einen kleinen Eklat geliefert.

„Was kann den das Auto?“
„Naja … sicher einmal: fahren. Und gut aussehen.“
„Was? Sonst nix? Kann ich im Kofferraum sitzen? Kann man das Dach aufmachen?“
„Nein, das geht bei dem nicht.“
„Oj! Unfair!“
„Aber es schaut doch super aus, oder? Und man sitzt so gut …“
„Das Rot ist schön. Und der Kofferraumdeckel. Der ist auch schön“

Soul Red nennt Mazda die aufwändig komponierte Farbe, in der es auch alle Autos für die Prospekte derzeit abfotografiert. Und auch unser Testwagen war Soul Red. Das seine Wirkung durchaus tut. Steh ich doch vor der Krankenhaus-Apotheke der barmherzigen Brüder in Eisenstadt auf dem Parkplatz. Klopft ein Mann auf die Seitenscheibe. „Darf ich Ihr Auto fotografieren?“ Wurde ich bisher noch nicht so oft außerhalb eines Lamborghini gefragt. Aber: „Bitte gern. Ist eh nicht meins, gehört dem Importeur in Klagenfurt, den freut das sicher.“ „Wissen Sie, mein Vater will sich den kaufen. Ich schick ihm das Foto. Dann freut er sich. Es ist wirklich eines der schönsten Autos derzeit auf dem Markt.“ Word, Soul Brother.

Ein Woche später: „Wo ist das rote Auto?“, fragt der jüngere Sohn, der sich sehr für meine Testautos interessiert und immer wissen will, was das jeweilige Vehikel denn so „kann“. „Den hab ich heute zurück gebracht.“ „Unfair! Warum?“ Der Wagen berührt einen. Meinerseel … irgendwie. Solche Autos mag ich. Mein Bub auch.

Hochsitz

Die Woche dazwischen war also nice. Der CX3 ist ja an sich ein recht kleines Auto. Positioniert zwischen dem Mazda2 und dem Mazda3. Der CX-3 ist 4,27 Meter lang und 1,55 Meter hoch.. Der CX3 gehört zum weltweit boomenden Segment der City-SUVs, die kompakt sind und die vor allem wegen ihrer erhöhten Sitzposition gekauft werden. Er schafft es aber, dank des wirklich gut gelungenen Außenhaut-Designs, nicht klein auszusehen. 18-Zoll-Aluräder, eine fließende Silhouette, der markante Abriss über dem Kühlergrill – wirklich auffallend gut gezeichnet, der Wagen. Dank einiger neuer Assistenzsysteme spürt er sich auch nicht klein an, wenn man ihn fährt. Die Kleinheit wird einem erst bewusst, wenn man den Kofferraum benötigt, und vier pralle Einkaufstaschen das Limit hinten sind.

Beim Fahren hingegen: sensationell. Das Fahrwerk ist spurtlich ausgelegt, das ist stabil, präzise, da schlagelt nichts, das wagelt nichts. Für einen Wagen dieser Größe nicht schlecht, da auch dadurch die Langstreckentauglichkeit deutlich verbessert wird.

Hühnergeschrei

Ich war übrigens mit dem CX3 in Hühnergeschrei. Die Ortschaft, ein Teil von Altenfelden, ist regelmäßig in den Top Ten der lustigsten Ortsnamen zu finden. Ich war auf dem Weg nach Kollerschlag im oberen Mühlviertel, um eine der coolsten Firmen Österreichs zu besuchen und einen der Gründer zu interviewen. Ja, ernsthaft, ein paar Kilometer nach Hühnergeschrei findet man wirklich eine der coolsten Firmen Österreichs, nämlich Loxone Smarthomes. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ich habe also den City-SUV in die oberösterreichische Pampa zweckentfremdet und den kleinen japaner ambitioniert auf und ab durchs vorweihnachtliche Mühlviertel gesteuert. Eine dramatische Gegend. Hin und wieder sogar etwas spooky. Im nebligen Wald lag bereits etwas Schnee herum.

Beim Sightseeing in Hühnergeschrei bin ich durch einen Hof gefahren, auf einmal steht ein riesiger Holztransporter vor mir, Kran ausgefahren, um die neben dem weg liegenden Rundholztrümmer zu verladen. Ich im Allrad-Mazda schwenke auf die schneebedeckte Wiese, drifte seitwärts neben zwei rotgesichtigen Mühlviertlern im Blaumann vorbei, die mich mit offenem Mund ansehen, reiße wieder kurz an der Lenkung herum, hopse zurück auf den Weg und fahre weiter auf der Straße. Mein Offroad-Erlebnis! Und keine Buben dabei, um meine Heldentaten zu bejubeln, weil ich ja sozusagen dienstlich unterwegs war.

Helden

Mein Frau hätte mir vermutlich eine Dachtel auf den Hinterkopf gegeben. Aber der beste Pressesprecher der Welt hat mich ja vor Vergabe des Testwagens instruiert: „Mazda ist keine Offroad-Marke, sondern wir positionieren den Allrad mehr als Sicherheits-, Komfort- und Fun-Feature für befestigte (schneebedeckte) Straßen.“ Ich habe den Auftrag mit meinem Ausflug in den quasi im Exzess erfüllt. Ich hab Euch den Wagen eh als ein ganzer wieder zurück gebracht, Joe.

Exkurs: Auf dem Weg von Hühnergeschrei nach Kollerschlag ist die Navikarte ein einziges Unterhaltungsprogramm. Katzing. Katzenbach. Kicking. Sauedt. Nebelberg, Fuchslug. Schinken. Ja, Schinken. Ein Ortsteil der Gemeinde Sarleinsbach. So wie Poppen. Dorf. Wolf. Und Sprinzenstein. Es gibt dann sogar eine Ortschaft, die heißt Fraunschlag. Die ist gleich neben Unterfeuchtenbach. Ich könnt niederbrechen. Ich liebe ober- und niederösterreichische Ortsnamen. Großartig. Kennt Ihr Tausendblum bei Neulengbach? Das liegt gleich neben Schrabatz. Nicht weit von Hinterholz, wer’s noch kennt. Aber Schluss jetzt. Exkurs beendet. Nur eins noch: Ich finde, dass jemand, der wie ich aus einem Ort namens Wulkaprodersdorf stammt, darf ich auch andere lustige Ortsnamen unterhaltsam finden. Aber jetzt wieder: CX3.

Unser Testauto war ein CX-3 G150 AWD Revolution Top. Übersetzt heißt das, es hat einen 150-PS-Benzinmotor (G = Gasoline, verbrauchte laut Bordcomputer im Schnitt 7,7 l/100 km) eingebaut, Allradantrieb (AWD = All Wheel Drive) und ist die am besten ausgestattete Linie (Revolution = Revolution, was jetzt aber nur eine Marketing-Zusammenhang und sonst keine weitere Bedeutung hat, die anderen Ausstattungsniveaus heißen Emotion, Challenge und Attraction). Inklusive der auffälligen Soul-Red-Lackierung und dem Navisystem kommt der Wagen auf einen Listenpreis von 29.790 Euro. Keine Okkasion, dafür aber mit einer äußerst üppigen Liste an Ausstattungen – bis hin eben zu den feinen Assistenzsystemen, die in wenigen Autos dieser Größenklasse dabei sind. Adaptives Kurvenlicht. Und zweifärbige Lederwäsche auf den Sitzen. Sowie eine böse Bose-Anlage mit sieben Lautsprechern. Aber hallo. Ich habe damit ganz Hühnerschrei aufgeweckt. The Raw Power of Soul.

Head-Up

Sehr sinnvoll in meinen Augen: Das Head-Up-Display vor der Windschutzscheibe, in das Informationen wie Geschwindigkeit, Abstandswarnung, Spurwarnung projiziert werden. Das Plastikteil hebt sich mit der Zündung. Beim Ausschalten wird es wieder eingeklappt. Das Plastik scheint mir etwas billig zu sein, aber das kann man sicher einfach tauschen, sollte es im Lebenslauf Kratzer bekommen. Hoffe ich zumindest. In der Mitte des Armaturenbrettes ist ein freistehender Bildschirm mit den fünf wesentlichen Funktionsgruppen: Telefon, Klima, Musik, Navi und Einstellungen. Ein Dreh-Drück-Regler in der Mittelkonsole plus ein paar Schalter rundherum steuern den ganzen Zirkus. Vor ein paar Jahren waren solche Systeme ausschließlich den teuersten Autos der Oberklasse vorbehalten. Heute sind sie auch bei Kleinwagen selbstverständlich.

Ebensolches gilt für Notbrems-, Spurwechsel-, Licht- und Parkassistenten, radarunterstützte Tempomat mit Abstandsregelung. „Wir übertreffen damit die Klassenstandards“, schreibt der beste Pressesprecher der Welt in seiner Info. Wo er recht hat …

„Warum brummt der immer?“
„Das ist der Spurhalteassistent.“
„Der was?“
„Der Sputhalteassistent. Der brummt durch die Lautsprecher, wenn ich versehentlich die Fahrspur wechsle, und vergesse, zu blinken. Oder einfach so zu weit rüber komme.“
„Cool-oh. Der kann ja eh auch was, der Mazda. Was ist eine Spur? Ist das wie eine Katzenspur im Schnee?“
„Nein. Ja., doch, irgendwie schon. Das sind auf die Straße gemalte Linien, damit die Autofahrer sehen, wo sie fahren müssen.“
„Und wie sieht das der Mazda?“
„Mit seiner eingebauten Kamera.“
„Cool-oh. Ich bau mir auch eine Kamera ein. Dann seh ich alles. Auch das Christkind.“
„Das brummt auch, wenn du aus der Spur bist.“
„Häh? Das Christkind hat auch so einen Mazda?“
„Wer weiß …“

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