Bubraum #8: The Wanderer

Das vermeintlich stets weichschiebende Wechselgebiet machte auf Ostsibirien: Im Opel Mokka X gerieten die Buben überraschend in die Schneehölle von Sankt Corona. Sie fuhren trotzdem tapfer rotzend Schi. Der Allrad-City-SUV in der Signalfarbe Safran Orange bewies sich in dem Abenteuer als wacher Wanderer zwischen zwei Welten.

Opel Mokka X, fotografiert vor den netten Ponys in der Kirchengasse in Wulkaprodersdorf.

Zunächst war da aber die Episode mit dem Marder.

Es dürfte aber kein burgenländischer Marder gewesen sein, sondern einer aus der Wiener Donaustadt. Denn die Scheibenwaschanlage versprühte schon ab Werksabholung kein klärendes Apfelduftwasser mehr auf den Scheiben, das Gemisch versaftelte irgendwo sinnlos im Motorraum. Zunächst dachte ich, die ansonsten superverlässlich arbeitende Presseabteilung von Opel Austria hätte gar vergessen, die Scheibenwaschanlage aufzufüllen.

Nur: Denen passiert so etwas nicht. Und das Auto hätte mich auch per Leuchte gewarnt, wenn der Wasserstand zu niedrig gewesen wäre. Also, Kofferraum auf. Ein Blick in die rechte hintere Ecke. Der Marder hatte dort das große Fressen veranstaltet. Der Gummischlauch zwischen Waschwasserbehälter und Sprühdüsen war sauber durchgebissen und hing sonst nur mehr löchrig herum.

Des Marders Werk

Ich dachte, die wären im Winterschlaf. Offensichtlich genießen die nervigen Nager auch die frühlingshaften Plusgrade, die uns da im sanften Osten pünktlich zu Weihnachten seit gefühlt 1982 alljährlich das Herz ungsund erwärmen.

Štefanja. Und Josef

Es war der 26. Dezember, Štefanja, und ich bereits unterwegs im Wechselgebiet. Keine Scheibenwaschanlage zu haben ist nix. Blauer Himmel. Sonne. Aber doch auch nasse, schmutzige Straßen, Nachweihnachtsverkehr. Die Scheiben sind binnen Sekunden dreckig.

Opel Mokka X, fotografiert vom Eingang der Raiffeisenkassa aus in Aspang Markt.

Ich habe mich daran erinnert, dass mir Opel-Pressesprecher Josef „Ulli“ Ulrich einen Mokka mit OnStar-Anbindung angekündigt hatte. Hier war also die Gelegenheit, dieses WLAN-Hilfssystem von Opel zu testen. Ich drücke also den OnStar-Knopf unter dem Spiegel. Sekunden später meldet sich ein junger Mann mit bundesdeutschem Akzent. Das Call Center von OnStar ist in London. Sie wissen aber, dass ich aus Niederösterreich anrufe, weil die Navi meine Standortdaten an die Opels verrät. „Gibt es in der Nähe einen Betrieb, der Feiertagsdienst hat und der in meinem Mokka die Scheibenwaschleitung flicken könnte?“, frage ich über die Freisprechanlage. Detlef sagt: „Vierhunderfuffzich Meter von ihnen entfeant ist ne Werkstätte. Der nächste Opel-Betrieb ist 21,5 Kilometer entfeant. Soll ihnen die Daten ins Navi überspielen?“ „Haben die heute offen?“ „Öffnungszeiten sehe ich leida nich vor mir.“ Ok, immerhin. Ich schaue bei der Werkstätte vorbei.

Natürlich hat die zu. Der Inhaber zeigt gerade vermutlich den Christbaum seinem Cousin und macht noch eine Flasche auf. Ich entscheide mich dagegen, nach Neunkirchen oder Krumbach zu fahren, und dafür, an dem Tag noch mit verschmierter Windschutzscheibe zu verbringen. Man kann auch alle zehn Kilometer mit Wasser aus der Kinderflasche und Taschentuch die Scheibe putzen. Und muss dabei gar nicht über degenerierte Marder oder den Klimawandel schimpfen.

Mit Horvath

Am nächsten Tag stellte ich den Mokka zu Opel Horvath nach Eisenstadt. Der Schlauch war bis zum nächsten Morgen geflickt. „Marder“, sagt der Werkstättenchef dort, „die gehen immer auf diese Schläuche.“ „Sind die nicht im Winterschlaf?“, fragte ich den guten Mann. Er: „Was ist ein Winter?“

Ich also zurück nach Hause, wo die Buben in voller Schifahrer-Montur warteten. Und schwitzten. Es hatte plus 7 Grad. Weil aber der Kalender 28. Dezember anzeigte, waren sie angezogen wie für einen Sibirien-Ausflug. Ihre Mutter ist da beharrlich. „Es ist Winter.“ „Aber …“ „Nix aber. Winter.“ Domina locuta, causa finita.

Kurze Rübe steigt ein
Nicht mehr ganz so kurze Rübe steigt ein.

Der Mokka X ist ein so genannter City-SUV. Er wird hauptsächlich deswegen gekauft, weil er einmal gut aussieht. Und weil man so gmiadlich ein- und aussteigen, so kommod hoch sitzt, und beim Lenken so famos den Überblick hat. Für Opel ist er ein echter Beststeller. Vor ein paar Tagen erst haben der Ulli und seine Kollegin Karin Pils von Opel Austria die Frohbotschaft verbreiten können, dass „schon rund ein halbes Jahr nach dem Bestellstart des neuen Opel Mokka X das subkompakte SUV (Sports Utility Vehicle) seinem Ruf als Erfolgsgarant alle Ehre gemacht“ habe. Europaweit hätten sich bereits 100.000 Kunden „für die Neuauflage des mittlerweile drittwichtigsten Opel-Modells entschieden“.

Ein Schifahrer-Auto ist er aber nicht unbedingt, dazu ist der Kofferraum zu wunzig. „Dachbox!“ werden jetzt ein paar rufen. Ja, ok, haben wir aber nicht. Egal, denn unsere zwei Rüben sind derzeit ohnehin die einzigen Wintersportler in der Familie. Ich beschränke mich derzeit aufs Ausrutschen und Knieaufschinden als wintersportliche Disziplinen. Die Rüben sind noch recht kurz, noch kürzer sind ihre Leihschi. Daher reicht der Kofferraum eines Subcompact-SUV ollaweil.

Inzwischen fällt wohlig-warmer Weihnachtsregen über der pannonischen Tiefebene. Die Buben sind innen nass vom Schwitzen, außen nass vom Niederschlag. Spitze. Also rein in den Mokka. Alles ausziehen. Es türmt sich die Thermowäsche zwischen den Kindersitzen. Ein Detail dazu übrigens: Die Isofix-Öffnungen in den Rücksitzlehnen im Opel haben Plastikrahmen und Plastikklappen. Super Erfindung. Noch nie ist mir das Fixieren der Sitze so leicht gefallen. Manche werden jetzt lachen, aber für mich ist so etwas ein echter Kaufgrund!

Gscheit!

Also S31 Richtung Mattersburg, dann S4 Richtung Wiener Neustadt. Die Scheibenwaschanlage ist in laufendem Betrieb. Ebenso wie das mit dem iPhone verbundene Opel-IntelLink-Infotainment-System. „Crazy Frog“ vertreibt die schlechte Laune wegen des inadäquaten Schiwetters. Der Zielort St. Corona am Wechsel liegt auf knapp 850 Meter Seehöhe. Mein Vorschlag für einen Werbespruch wäre: Es grünt so grün, wenn beim Tellerlift die Schneekanonen glüh’n.

Knapp vor dem Knoten Seebenstein werden die Regentropfen plötzlich feststofflicher. Kristalliner. Das Thermometer fällt ruckartig von 7 auf 2 Grad. Einen Kilometer weiter, 100 Höhenmeter höher, schneit es. Meine Frau fotografiert und fotografiert. „So schööön.“ Wie Weihnachten. Anno 1981.

Und jetzt a bissl Techtalk

Opel verwendet für den Mokka, dem im Herbst ein Facelift verpasst wurde, neuerdings die Extension X. Wobei aber nur jene Modelle allradgetrieben sind, die das vor und nach dem X einen 4er stehen haben. Der günstigste – derzeit zum Aktionspreis von 19.590 Euro statt 21.480 Euro laut Liste zu haben – hat nur Frontantrieb (115-PS-1,6-l-Benziner). Unser Testwagen hat einen 1,4-l-Turbobenziner mit 152 PS unter dem Häubchen , Allrad und 6-Gang-Automatik. Die Allrad kostet jedenfalls mindestens 24.590 Euro (Aktionspreis). Das System wird von „intelligenter Allradantrieb“ genannt. Das heißt, meistens fährt er als Fronttriebler. Nur wenn die Fahrbahn rutschig wird, wird das Drehmoment per computergesteuerter elektromagnetischer Lamellenkupplung, die direkt am Hinterachsdifferenzial sitzt, auf alle viere verteilt. So, jetzt hätten wir den Techtalk auch erledigt …

Von Aspang nach St. Corona, links nach der Leitplanke die kleine Pesting.

Ab Aspang Markt fahren wir auf Schneefahrbahn. Die Straße, die durch den Wald, entlang vom Pestingbach Richtung St. Corona führt, ist zentimeterhoch mit Schnee bedeckt. Null Grad, eine steife Brise von Nordwest. „Winterwonderland!“, schwärmt meine Frau zu sich selbst, und zu mir: „Fahr nicht so schnell.“ Ich fahre gefühlt 5 km/h. Keine Chance also, den Allrad wirklich zu testen. Den werde ich dann ein paar Stunden später brauchen, um aus den Schneewechten auf dem Parkplatz rauszukommen. Richtig. Schneewechten. In St. Corona. Als ob Donald Trump recht hätte. „Climate change? My ass …!“ Und ja, Wechte schreibt man mit e, seit zwanzig Jahren nicht mehr mit ä.

Rotz und Stolz

Die Schneehölle von St. Corona am 28. Dezember 2016 wird in die Geschichte eingehen. Zumindest in unsere Familiengeschichte. Die Buben trotzten und rotzten sich durch Wind und Schnee, die vollen drei Stunden lang. Der eine sollte beim Schikursrennen dann knapp vierter werden – „So gemein!! Alle anderen haben sie beim Start angeschoben, nur mich nicht!!“ – der andere sollte zum ersten Mal in seinem Leben Tellerlift fahren und erst fünf Meter vor der Bergstation rausfallen. Beide hatten rote Nasen und viel Rotz und Stolz im Gesicht.

Racing-Rübe, der Kurze mit dem grünen Helm, trotzt den Elementen in St. Corona

Beim Heimfahren waren sie so müde, dass sie nicht mal mehr im Nintendo Pokémons mit Namen wie Pampinella oder Pudox (Ernsthaft! Ich höre da einen bundesdeutschen Nintendo-Übersetzer dreckig kichern …) zu fangen, zu werfen oder zu entwickeln imstande waren. Ich sollte es wissen, was mit den Pokémons passiert. Ich werde den ganzen Tag mit Pokémon-Fachjargon bequasselt. Ich hör aber nicht mehr hin.

UPDATE: Mein Sohn hat den Bubraum jetzt gelesen und sagt: „Das heißt nicht Pampinella, sondern Papinella!!!“ Na dann …

An dem Tag musste ich mich ohnehin voll auf die Straße konzentrieren. Der Schischulen-Chef warnte uns Hobbits aus dem Auenland, wo der ewige Frühling herrscht: „Passt’s ja auf beim runterfahren. Wartet’s am besten auf den Schneepflug und fahrts hinter dem nach.“ Na spitze. St. Corona war Sibirien und Ischgl gleichzeitig. Endlich konnte der Chefschilehrer auch die Burgenlandler, die ganze 700 Meter tiefer wohnen, a bissl schrecken. Nicht mit dem Mokka X, dachte ich mir. Zuerst wuchtete ich den kleinen Opel maskulin aus der Schneewechte. Mit e.

Ur die Wechte
mit e

Dann schaute ich, ob eh kein Schneepflug daher kommt und driftete auf die Straße. Ok, „driften“ ist jetzt etwas übertrieben. Kurz hat das Heck geschlankert. Dann hatte ich eh schon eine Dachtel. „Fahr gscheit!“ Der Mokka X hat einen Bergabfahrassistenten eingebaut. Unkundig tippte ich da auf der Mittelkonsole herum und dort auf dem Lenkrad. „Lies die Gebrauchsanleitung oder lass das“, sagte die Chefin.

Ich schaltete die Automatik auf M wie Manuell, klickte am Schalter auf dem Hebel. M2 zeigte das Zentraldisplay vor meiner Nase. Im zweiten Gang und mit maximal 29 km/h bewegten wir uns supersicher die Landesstraße entlang des tief verschneiten Pestingbachtals wieder runter in Richtung Pannonien.

„Aufpassen“, sagte der Schischul-Chef

„So schöööön“, schwärmte meine Frau, „oder, Kinder?“ „Grunz“, war dazu als Kommentar von den Rücksitzen zu hören. Übersetzung: „Wenn wir munter genug zum Rausschauen wären, würden wir am Nintendo Pokémon spielen, Mama!“

Happy Pannonia

Vor Seebenstein sprang die Temperatur von minus 2 schlagartig auf plus 6. Ein paar Kilometer Richtung Westen sahen wir noch einen weißen Todessturm über die alte Rax toben. Richtung Osten – das Auenland, ein paar Wölkchen am blau-beige bemalten Himmelszelt über Happy Pannonia. Der safranorange Mokka X dazwischen über die A2 Richtung Nordosten. Wie ein allradbetriebener Wanderer zwischen den Welten.

Auenland ahead

 

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