Soundtrack

Die Bubraum-Kolumnen haben alle einen Songnamen als Headline. Hier die Hintergrundinformationen zu den Songs, angereichert mit persönlichen Erinnerungen.

 

Bubraum # 20: Der Picknicker – Die Fantastischen 4 (1996)

Ein nettes Video, das 1996 nur zehn Jahre zurück schaute und sich trotzdem gekonnt über die 80er lustig machte. Zu finden auf dem Album „Live und Direkt“, dessen erster Teil („Live“)  auf der Tour zum aus meiner Sicht wahrscheinlich besten deutschsprachigen Rap-Album aller Zeiten, „Lauschgift“, aufgenommen worden ist. Der zweite Teil („Direkt“) brachte drei damals unveröffentlichte F4-Tracks, unter anderem eben den „Picknicker“ (klicker, klicker). Das Sample stammt von der Fatback Band und deren 1975er-Nummer „Put The Funk On You“.

 

Bubraum #19: Reserviert fia zwa – Kurt Ostbahn & die Kombo (1997)

Als mit der Glu den Text für den Bubraum #19 geschickt hat, hab ich ihn auch gefragt, warum diesen Titel von dieser Nummer.

Der Herr Gluschitsch hat geantwortet:

Weil der Titel zur Gschicht passt und ich den Herrn Ostbahn halt mag und weil er zu uns Krowotn passt.

‚Nuff said.

 

Bubraum #18: Capriccio Nr. 24 in A-Moll – Nicolò Paganini (1817)

Eines der schwersten Sologeigenstücke, die jemals geschrieben wurde. Paganini hat es sich selbst gewidmet.

 

Bubraum # 17: „Autobahn – LaBrassBanda (2008)

Ich kenn die Nummer wegen HC Strache. Also, nicht direkt wegen ihm, aber wegen einer Sendung mit ihm. Vor der Nationalratswahl 2013 zeigte der ORF die Serie „Wahlfahrt“, in der ein teilweise ganz lustiger Vorarlberger namens Hanno Settele mit einem Mercedes-Benz die Spitzenkandidaten der Parteien herumkutschierte und teilweise ganz lustige Interviews führte. Die Musik war hingegen immer vollkommen gut ausgewählt. In der Folge, in der die Fahrten mit Eva Glawischnig von den Grünen und eben mit dem blauen Strache gezeigt wurden, hinterlegte die Redaktion die Ankunft HCs bei einer Funktionärsveranstaltung mit dem Uptempo-Getröte der bayrischen Hochenergiebläser. Sensationell.

LaBrassBanda ist eine bayerische Blasmusik-Ska-Punk-Funk-Gruppe rund um Trompeter und Sänger Stefan Dettl. Die Nummer „Autobahn“ findet sich auf dem ersten LaBrassBanda-Album „Habedieehre“ und kann einiges, von der Musik her, aber auch vom Text. Den kopier ich hier vollinhaltlich rein, der ist großartig.

I bin auf der Autobahn
Und denk unterm autofahrn
Drüber nach was ois passiert is
Letzte Woch

So a woch, werd’s ihr jetz Song
De is ned so furchtbar lang
Vui passiern werd da scho ned
I sag doch

Hab an guaden Job verlorn
Bin dort überflüssig worn
Aber des aloa hätt mi
No gar ned gschockt

Hob scho öfters nei ogfangt
Was mei arbeit anbelangt
Und a desmoi hät I’s
Sicher wieder backt

I geh zur Haustür nei
S’is erst hoibe drei
Im flur da riach I scho
Dass jemand raucht

Du hast an Nachbarn da
Er hod mein bademantel o
A da wer I dann oiso
Nimmer braucht

Jetz hoit mi nix mehr auf
I fahr an brenner nauf
Lass alles hinter mir
Wui blos no weg von dir
Davorn kimmt scho da Gardasee
Da duads scho blos no hoib so weh

Vor mir is de Straßen frei
I dua a laude musi nei
Und I tritt so fest I kon
Aufs Gaspedal

Wui soweit wia möglich naus
Aus dem ganzn Irrenhaus
Und wohi’s mi dann verschlogt
Des is mir scheißegal

Bei der ganzen raserei
Ziang de letzten jahr vorbei
Und de san gar ned
So zwider gwen

Es warn a schlechte dog dabei
Ja des muaß hoid a moi sei
Aber insgesamt betrachtet, war I
Schon sehr zufrieden

Vor ned allzulanger Zeit
Ja, da war I dann soweit
Hob mirs geid scho glieha
Für an scheena ring

Doch den brauch I woi ned mehr
Denn der Herr vom hochparterre
Hod bei derer gschicht
Jetz a die finger drin

Du warst ned a moi schockiert
So ois war gar nix passiert
Hast ganz lässig reagiert
Als obs di gar ned intressiert

I hob mi deischt am Gardasee

Es duad woi no a zeitl weh

 

Bubraum #16: „Shout“ – Tears For Fears (1984)

„Shout“ war eine jener Nummern, die sich als Soundtrack zu den irren Partys auf der griechischen Insel Ios in meine Erinnerungen gebrannt haben, die ich dort in den beiden Sommern 1986 und 1987 dort mitgefeiert hatte. Die anderen beiden warten „Don’t You (Forget About Me)“ von den Simple Minds aus Glasgow und „Sunday, Bloody Sunday“ von U2 aus Dublin. Tears for Fears war aus Bath in England. Dass die griechische Insel Mitte der 80er nicht mehr wie davor von den Hippies, sondern von britischer New-Wave-Musik dominiert wurde, hatte wohl damit zu tun, dass damals auf Ios die Buben und Mädchen aus UK und Irland unter dem internationalen Partyvolk eindeutig die Mehrheit gestellt hatten. Ios wurde erst später zur „Österreicher“-Insel, die Ende der 90er Jahre von jeder zweiten Maturaklasse zwischen Eisenstadz und Bregenz angefahren worden ist. Heute, so habe ich gelesen, habe sich Ios ja etwas beruhigt und sei mehr zu einer Mainstream-Feriendestination geworden.

 

Bubraum # 15: „Doctor, Doctor“ – UFO (1974)

Dangadangadanga im Shuffle-Rhytmus, zweistimmiges Gitarrenthema – die Nummer ist einer der Signaturkompositionen des britischen Hardrock. Gitarrist Michael Schenker war 19 Jahre alt, als er diesen Song mit Sänger Phil Mogg (damal 26) aufgenommen hat.

Die jungen Herren haben ein für spätere Generation wegweisende Rocklyrics vorgelegt:

Doctor, doctor, please, oh the mess I’m in
Doctor, doctor, please, oh the mess I’m in
She walked up to me and really stole my heart
And then she started to take my body apart
(…)
It’s only just a moment, she’s turning paranoid
That’s not a situation for a nervous boy
(…)
But you look so angry as I crawled across your floor
She’s got the strain and I can’t take any more.

Zum Charthit wurde „Doctor Doctor“ erst, als die Nummer 1979 als Single vom UFO-Live-Album „Strangers in the Night“ ausgekoppelt wurde.

 

Bubraum #14: „Seven Nation  Army“ – The White Stripes (2003)

Eine der ersten Songs, die mein Sohn am Klavier spielen wollte, war „Seven Nation Army“, einer der vielen Geniestreiche des Jack White. Er ist aus meiner Sicht einer der wichtigsten Musiker der Gegenwart. Das Riff ist einfach genial. Wenn eine Tonfolge einen damals Siebenjährigen zum Spielen eines Instruments bringt, zeugt das von Qualität. Ebenso das Faktum, dass das E-Moll-Riff in allen Stadiem der Welt von Fans als Schlachtgesang gegrölt wird. Jack White hat’s aber nicht erfunden. Das Cellothema der 5. Symphonie von Anton Bruckner könnte  die Basis sein (höre bei 0:59 im Viedeo unten).

 

 

Bubraum #13: … Baby One More Time – Britney Spears (1998)

Britneys erste Single, geschrieben vom genialen schwedischen Popsongfabrikanten Max Martin, hätte eigentlich TLC („Waterfalls“) singen sollen. Das RnB-HipHop-Trio hat aber abngelehnt. Die drei Mädels wollten keine Nummer aufgeben, in der der Hook „Hit me Baby One More Time“ hieß. Der Schwede behauptete, er habe mit „Hit me“ eigentlich „Hit me with a call“ gemeint, also „Ruf mich gefälligst noch mal an“, und nicht: „Schmier mir noch eine.“

However, diese im Computer schon als Superhit konzipierte Nummer schlug in der Popwelt ein damals wie eine Bombe. Es gab dann auch eine Coverversionen von Travis, einer schottischen Band, gespielt mit Akustikgitarre und a bissl „dark“ gesungen. Der Song funktioniert auch so hervorragend. Das zeigt, wie gut die Komposition ist.

Ich hatte damals die Idee zu einer Brutal-Metalband namens „Fake Boobies“, die nur Britney-Spears-Nummern spielen hätte sollen. Dabei wären mein späterer Trauzeuge und Bandkollege bei „Puch Cobra“, Christoph Goger am Schlagzeug, dann der ehemalige „Tiananmen„-Gitarrist und heutige Oberchecker bei den Novarock-Festivals, Andreas „Kotti“ Kalaschek an der extrem verzerrten Gitarre, sowie Thomas „Jerry“ Reisner, ehemals Grunzgott bei der 90er-Jahre-Burgenland-Sensation „Fischhalle“ und heute bei „Kielkropf„,  gewesen. Ich am Bass. Eine burgenländische Allstars-Formation, quasi. Wäre es was geworden, hätten wir die Weltherrschaft erreicht. Leider aber nicht.

 

 

Bubraum #12: Me, Myself & I – De La Soul (1989)

Ich bin ja nicht so wirklich der Rap-Fan, Hip-Hop hab ich nie so richtig eingehend beachtet, in den vergangenen Jahren überhaupt nicht mehr. Aber ein paar Nummern dieses Genres im erweiterten Sinne gehören trotzdem zu meinen All-Time-Favorites. „The Message“ von Grandmaster Flash.  „Walk This Way“ von Run DMC und Aerosmith. „Funky Cold Medina“ von Tone Loc. „Fight For Your Right To Party“ von den Beastie Boys. „Jump Around“ von House of Pain. Missy Eliott mit „Get Ur Freak On“. „Because I Got It Like That“ von den Jungle Brohers. Auch LL Cool J mit „Mama Said Knock You Out“. Eh nicht so wenige …

Und dann waren da De La Soul. Die mochte ich, weil dir hörten sich nicht so Gangsta an, nicht so tough, a bissl verraucht und neben den Schuhen.

Mirror, mirror on the wall
Tell me, mirror, what is wrong?
Can it be my De La clothes
Or is it just my De La song?
What I do ain’t make believe
People say I sit and try
But when it comes to being De La
It’s just me myself and I

Auch das kann ein Hip-Hop-Text sein.

Die Rap-Hipster ohne Goldketten und Addidas-Uniform haben Funkadelics „(Not Just) Knee Deep“ gesampelt und drüber herrlich verschleppte Verse gestreut. Als ich 1990 zum ersten Mal in New York City war, hat die Stadt genau so geklungen …

 

 

Bubraum #11: Message In A Bottle – Police (1979)

Police ist eine der wichtigsten und innovativsten Bands der Musikgeschichte. Davon bin ich überzeugt, spätestens seit ich die Herren damals, 2007, bei der Reuniuon live in der Stadthalle gesehen hatte. Ich habe mir damals, auch schon 38 Jahre alt, ein Band-T-Shirt gekauft. Das ist mir heute zu eng.

Nein, mir war schon klar, dass Police einzigartig und großartig und unfassbar ist, als ich zum ersten Mal einen Song gehört habe, auf ö3, Anfang der 80er Jahre. Es war „Message In A Bottle“. Die Nummer ist in Cis-Moll. Was soll da noch schief gehen …

 

 

Bubraum # 10: Jump – Van Halen (1983)

„Jump“ war eine der ersten Van-Halen-Nummern, die ein Synthesizer-Thema als tragendes Element hatte. Gespielt wurde es von Eddie Van Halen selbst, auf einem Oberheim OBX3. Sänger David Lee Roth hasste Synths. Im Musikvideo sieht man auch nur eine Rockband mit Bass, Zeugl, Gitarre und Machosänger mit nackter Brust. Von schwarzen und weißen Tasten keine Spur, obwohl der Song ausschließlich davon getragen ist. Kein Wunder, Roth führte Regie bei dem Filmchen (das aber immerhin als Blueprint für hunderte ähnlicher Hairmetal-Videos bis 1992 gilt).

 

 

Bubraum #9: Ganz Wien – Drahdiwaberl (1981)/Falco (1982)

Amoi wird da Tog kumman, die Donau außer Rond und Bond,
im U4 geigen die Goldfisch, der Bruno längst am sicher’n Land, und da Hannes a!
Donn leanan ma schwimmen, treiben tan ma eh,
alle Teifl weißes Gwandl, weiß wie Schnee!

Die Prophezeiung aus dem Buch Hans:  Ob es die Goldfisch je geschafft haben, ist nicht überliefert. Bruno (Kreisky) verstarb 1990 auf Mallorca. Falco vor fast 20 Jahren in der DomRep. Der Hannes (Androsch) ist ein reicher Industrieller, dem man trotzdem den Floridsdorfer noch abnimmt.

Hans Hölzel alias Falco sang als Bassist der Wiener Schweindlrock-Band Drahdiwaberl die Nummer „Ganz Wien“ ab ca. 1979, wenn Bandleader Prof. Stefan Weber Backstage sich vom Grunzen erholen musste. Thema waren die Drogenexzesse im jungen Wien der Kreisky-Ära, als das U4 das spannendste Lokal des Landes war und es die Musikszene gar nicht packte, wie supergscheit und superkreativ man nicht auf Kokain war. Die Spätfolgen bekam Falco ja erst ab den 90er Jahren, als er es offenbar nicht mehr packte, wie sehr er psychisch und musikalisch ausgebrannt war.

Von „Ganz Wien“ gibt es eine Version auf der ersten Drahdiwaberl-LP „Psychoterror“, eine cool-reduzierte Version auf Falcos erster und bester Platte „Einzelhaft“.

Legendär schließlich ist eine Liveaufnahme, die Falco mit Band am 10. Wiener Donauinselfest im Juni 1993 aufgenommen hat, 5 Jahre vor seinem Tod. Mit einem schwarzen Gibson-Les-Paul-Bass umgehängt, abgeklärt und souverän, wie zu den besten Zeiten. Falco war Österreichs einziger Popstar mit Weltruf bisher.

 

Für mich persönlich war die erste Falco-Nummer auch seine beste. Weil sie glaubhaft eine Lebenswelt abbildete. Die zerstörerisch und krank war. Das wußte der Falco. Und es war ihm offensichtlich egal.

 

 

Bubraum #8: The Wanderer – Dion & The Belmonts (1961)

Die Nummer ist nicht von Status Quo, auch wenn das viele glauben. Die Briten haben „The Wanderer“ zwar in den 80er Jahren sogar zweimal aufgenommen und waren damit dick in den Charts. Aber geschrieben wurde der Song von Ernie Maresca, einem Italoamerikaner aus der Bronx. Es gibt eine erste Demoaufnahme von „The Wanderer“ aus 1958. Aber einen Charterfolg landete erst eine andere italienische Baritonstimme aus der Bronx, nämlich Dion DeMucci im Jahr 1961. Er hat die ursprünglichen Macho-Lyrics für den Radioeinsatz ein wenig entschärft.  Statt „with my two fists of iron and my bottle of beer“, so wie es Maresca noch aumgenommen hatte, sang Dion „with my two fists of iron and I’m going nowhere“. Nichtsdestotrotz ist „The Wanderer“  nicht auf die Go gefallen, wie die zweite Strophe zeigt:

Oh, well, there’s Flo on my left and there’s Mary on my right
And Janie is the girl, well, that I’ll be with tonight
And when she asks me, which one I love the best
I tear open my shirt and I show her „Rosie“ on my chest.

Ein zeitloser Macho-Song im zeitlosen musikalischen Format. Mich wundert, dass es davon eigentlich fast ausschließlich langweilige Covernummern gibt, die der Attitüde des Originals nicht gerecht werden. Eine Ausnahme ist aus meiner Sicht die Version von Dee Snider, dem Sänger von Twisted Sister. Hier regiert ebenfalls Kapitän Dicke Hose.

 

 

Bubraum #7: Power of Soul – Idris Muhammad (1974)

Der Songtitel gibt immer wieder Anlass zur Verwirrung. In der US-Edition des Jimi-Hendrx-Live-Albums „Band of Gypsys“ (1970) hieß die Nummer „Power to Love“, in der europäischen Veröffentlichung dann „Power of Soul“, weil der Gitarrengott aus Seattle im Refrain ja singt:

With the power of soul
Anything is possible
With the power of soul
Anything is possible

Idris Muhammad war Schlagzeuger. Er wurde 1939 in New Orleans als Leo Morris geboren. Er hat als 16-järiger mit Fats Domino gespielt und „Blueberry Hills“ aufgenommen, später war er mit Sam Cooke, mit George Benson, Hank Crawford, Grover Washington, Pharao Sanders, John Scofield und vielen anderen klingenden Namen aus Soul und Jazz unterwegs. „Power of Soul“ (1974) war sein drittes Album, das er unter eigenem Namen heraus gebracht hatte.

Ich hab die Nummer „Power of Soul“ das erste Mal irgendwann, vermutlich Mitte der 80er Jahre, als Teenager im Jazz Pub Wiesen gehört. Sie lag mir irgendwie im Ohr, ich wusste aber nicht, dass sie von Hendrix war, damals kannte ich gerade „Hey Joe“, das sie hin und wieder in der Nacht in der legendären Sendung „Treffpunkt Studio 4“ auf Ö3 gespielt haben. Ja, Kinder, echt, es gab eine Zeit, da spielte das spätere „Hitradio“ nicht nur hauptsächlich Schrott.

Jedenfalls hat Idris Muhammad – Schmäh ohne – in den 90er Jahren eine Zeitlang mit seiner Frau La La Brooks und seinen zwei Töchtern in Wulkaprodersdorf gewohnt.

Wie es dazu gekommen ist? Ich recherchiere das jetzt einmal bei meinem Freund Frankie Artner nach, der die größte Soul-Platten-Sammliung der Welt in Wulkaprodersdorf hat und solche Sachen weiß, wie: Was bitte macht ein legendärer Weltklassezeugler wie Idris Muhammad ausgerechnet bei uns Krowodn in Wulka?

UPDATE: Der Franzi weiß es auch nicht. Ich recherchiere weiter …

UPDATE2: Meine Frau Cousine Mary Grill kennt sich dafür voll aus, weil sie Idris Frau La La (Sakinah Muhammad) einmal vom Bahnhof im Auto nach Hause mitgenommen hatte und dann so zu einer guten Freundin geworden ist. Also: Er sei nach Österreich gekommen, weil er in Wien eine Zeit lang mit dem oberösterreichischen Jazzposaunisten Paul Zauner zusammen gearbeitet hätte. Und für seine Familie ein Domizil abseits der Stadt gesucht hat. Wikipedia behauptet zwar, das Paar habe von 1990 bis 1997 in Vienna, Austria gelebt. Vulkaprodrštof, Gradišće, hat sich bis zur allwissenden Müllhalde nicht rumgesprochen. Eine seiner Töchter hat in Eisenstadt sogar in einer Band gesungen.

Wurscht. Hier steht, wie es war, weil meine Cousine Mary kennt sich voll aus: Idris selber wäre selten in Wulka gewesen, hätte ein Appartement in New York gehabt. Idris und La La, die auch eine Weltklassesängerin ist, immerhin mit den Crystals „Da Doo Ron Ron“ eingesungen hat und bei der Original-Broadway-Aufnahme von „Hair“ dabei war, waren von 1966 bis 1999 verheiratet.

Ich selbst habe den Herrn Idris – wenn ich mich recht erinnere – einmal sogar getroffen. Ich habe ihm  zu dieser Hendrix-Covernummer gratuliert, in bad inglisch gestammelt, dass die so einen Killergroove habe und so.  Ich glaube mich erinnern zu können, dass er sich lachend bedankt hat.

Idris Muhammad ist 2014 in Florida gestorben.

 

 

Bubraum #6: Are ‚Friends‘ Electric – Tubeway Army (1979)

Gary Numans Synth-Pop-Klassiker nimmt einen fast vierzig Jahre nach dem Entstehen noch immer ein wie die Komantschen das Fort Alamo. Mit Geheul. Allerdickste Sounds aus dem Polymoog-Synthesizer, die in ihrer Dichte bis heute ihresgleichen suchen. Ich bin ja echt nicht so der New-Wave-Hörer, aber die Nummer hatte für mich immer schon etwas Besonderes, nicht wegen der etwas blutarmen Vocals, sondern natürlich wegen dem charakteristischen „falschen“ B und E über dem F-Akkord. Groß!

Numan sagte in einem Guardian-Interview:

The main melody is one note sharp, since I hit a wrong note on the old piano, and it sounded better. I ended up recording it on a Polymoog synthesiser played with one finger. It sounded very different and futuristic, but there was still some bass and drums in there, so people had something familiar to connect with.

Vom nachhaltigen Erfolg des Songs dürfte Numan selbst überrascht gewesen sein. In einem sehr interessanten Interview sagte er:

You can’t dance to it, it doesn’t have a chorus, it is really long and it’s about robot prostitutes.

 

 

Bubraum In Da Hood: The Boxer – Rockip (1988)

Das südliche Burgenland, Heimat großer Rockbands. Eine davon, Rockip, hatte Ende der 80er Jahre in Österreich einen Welthit mit „The Boxer“. Ganz vorne in den Ö3-Charts, Video mit echten Boxern als Statisten, goldene Schallplatte und die Südburgenland-Pendlerfest-Hall-of-Fame-Trophy für alle Zeiten.

 

Bubraum #5: My Own Summer (Shove It) – Deftones (1997)

Es war die Zeit nach Grunge und bevor Nu Metal unhörbare Schlagerk*cke wurde. Die Deftones verteilten Betonwatschen mit einem großartigen Song, in dem es um einen nicht besonders netten, apokalyptischen Sommer zu gehen scheint. In meinem DJ-Set im Flex (Flexible) war die Nummer ein Fixpunkt. Hab gern Sets damit begonnen. wegen diesem charakteristischen Drum-Auftakt und dem folgenden zwingenden Gitarren- und Bass-Riffs, die ich bis heute für eine der besten im Genre halte.

Zur Entstehungsgeschichte der Nummer gibt es ein nettes Interview von NME mit Sänger Chino Moreno. Darin erklärt er, wie diese zeitlos guten Riffs entstanden sind und wie es zu dem Hai-Video gekommen ist:

Heute verwende ich die Nummer gern zum Testen der Hifi-Anlage in Autos. Beim Jaguar mit seinen zwei Subwoofern und den 10 Lautsprechern im Innenraum war damit außen a bissl der Wahnsinn entfesselt. Rudherum schepperten die Fenster, gingen Autoalarmanlagen an, Teta Tinka und Teta Marica* bekreuzigten sich, die Buben am Straßenrand jubelten.

* bgld.-kroat.: Tante Katharina und Tanta Maria

 

 

Bubraum #4 – Rumba de Barcelona – Manu Chao (2002)

Auf einer Website habe ich gelesen, es gäbe rund 400 Songs zu Barcelona. Und eine Band aus Seattle eine eine aus Schweden, die den Namen der katalanischen Hauptstadt tragen. Die beiden berühmtesten Songs seien aber „Rumba de Barcelona“ von Manu Chao und „Barcelona“ von Freddie Mercury und Monserrat Caballé. Letzteres hat mich seinerzeit, 1989, am falschen Fuß erwischt. Ich war nie ein Hardcore-Queen-Fan, war aber durchaus begeistert von Songs wie „Another One Bites The Dust“, „Keep Yourself Alive“, „One Vision“, ja, natürlich auch von der „Bohemian Rhapsody“, diesem seltsamen, genialischen Dings. Aber Freddie und die dicke Dame, die am Schluss singt? Ich weiß nicht. Es passte gut als Hymne für die Olympischen Spiele 1992.

Manu Chao hingegen hat mich immer fasziniert, weil er mir einerseits vorkam wie ein Single Trick Pony. Andererseits ist er er ein Meistereklektiker und sowas mag ich schon mal prinzipiell, wenn man alles aufsaugt, was man sieht und hört und spürt und erlebt und daraus Musik macht. Und dazu Texte, die immer leicht weich, etwas kryptisch, dafür aber rhythmisch auf den Punkt sind.

Der Guardian schrieb über sein Homecoming-Konzert nach Barcelona, wo er 2016 nach Jahren wieder einmal gespielt hat und wo es angeblich zugegangen ist, wie wenn der Ostbahn im Simmering sein letzter Konzert gibt:

It’s not just that Chao has lived in the city for many years, his music also reflects the chaotic, hippyish melting pot that is the modern Catalan capital, a city where you’re as likely to see someone juggling poi in the park or practising capoeira as studying Gaudi’s architecture.

 

 

Bubraum #3 – For Those About To Rock (We Salute You) – AC/DC (1981)

Das AC-DC-Album nach dem epochalen schwarzen Album. Das zweite nach Bon Scotts Ausstieg von diesem Planeten. Goldenes Cover, drauf die bis heute im Einsatz stehende Kanone.

Das Intro ist wahrscheinlich eine der besten Eröffnungen eines klassischen Rock-Songs, die jemals geschrieben worden ist.

Wahrlich großes Buben-Kino. Wirkt damals wie heute. Stampft. Langsam. Und dann knall, Bumm, Zack. Double-Time, Abrocken. Bei dieser Nummer ist einfach alles dabei, was AC/DC so super macht.

Die mit Recht unbekannte burgenländische Protopunk-Band Furunkel Anal verwendete eine schlecht gespielte Version des Intros, um 2004 ihr einziges Reunion-Konzert nach dem fragwürdig-fulminanten 1988er-Gig in der Cselley-Mühle in Oslip zu eröffnen. Der Autor dieses Blogs war natürlich am Bass dabei. Eh klar.

Vor kurzem habe ich die Noten für eine Klavierversion runter geladen. Das Intro klingt sogar am Digipiano sensationell ….

 

 

Bubraum #2: Jesus Built My Hotrod – Ministry (1991)

 

Soon I discovered that this rock thing was true
Jerry Lee Lewis was the devil
Jesus was an architect previous to his career as a prophet
All of a sudden, I found myself in love with the world
So there was only one thing that I could do
Was ding a ding dang my dang a long ling long

Der Song ist einer meiner beiden Jesus-Songs. Der zweite, „Spacegrass“ von Clutch, hat als Schlüsselzeile „Jesus on a dashboard!“ Aber dazu kommen wir ein anderes Mal. „Jesus Built My Hotrod“ hat – knapp nachdem Nirvana „Nevermind“ veröffentlicht hatten – meinen Glauben an die neue Rockmusik Anfang der 90er noch zusätzlich bestärkt. Ich denke, ich habe die Scheibe zuerst auf einer Party der Steinbrunner Gang gehört, wo ein paar Typen aus Wiener Neustadt in schwarzen Lederjacken Kassetten mithatten. Aber wer sich noch erinnern kann, war nicht dabei. Ich habe mir jedenfalls die Vinyl-Maxisingle zugelegt. Der Song verursacht Ohrenbluten und ist quälend lang, aber ein richtiger Herbeidler, was neben diesem Maschinenbeat und diesen zuschlagenden Downstroke-Sechzenteln auf der Metallergitarre auch damit zu tun hat, dass das Riff im 5/4-Takt ist und das Schlagzeug im 4/4-Takt ist. Die Vocals stammen übrigens vom Butthole-Surfers-Sänger. Angeblich hat der die Nummer vollfett eingesungen. Ich habe dann meinem Gitarrtisten-Freund Gerhard „Mick“ Frasz damals gesagt,  so eine Nummer müssten wir auch aufnehmen und hatte vorgeschlagen, eine Nitro-Version von Alex Harveys „Faith Healer“ zu machen, mit Schlagzeugcomputer. Ich hatte sogar einen Namen für unser Projekt, irgendetwas mit „Cinnamon“. Wurde nie was draus. Leider.

 

 

Bubraum #1: Welcome To The Pleasure Dome – Frankie Goes To Hollywood (1984)

Das Debütalbum der Liverpooler Band, mit dem 12-minütigen Titelsong auf der ersten von vier Doppel-Alben-Seiten. Ich war damals 15 Jahre alt und konnte das Bahnbrechende an diesem großen Werk noch nicht wirklich erkennen, wenngleich wir zu „Relax“ schon ordentlich in den Dorfdiscos in Hirm und in Siegendorf abgetanzt hatten. Ältere hatten uns erzählt, die Scheibe laufe auch im U4 … Dass das Album eine Ikone der britischen Schwulenkultur war, hat uns heterosexuelle burgenländische Landeier, die wir mit schwarzen Lidstrichen und aufgestellten Haaren uns eh die ganze Zeit von brutal homophoben Dorfschlägern Watschen antragen lassen mussten, eigentlich eh zusätzlich getaugt. Unser damaliges Pseudo-Schwulsein war einer von mehreren Ausbruchsversuchen aus der pannonischen Enge in den 80er Jahren.